"Identifikation mit der Heimat ist nicht zum Billig-Preis zu haben"

- Während auf dem Oktoberfest das Bier strömt, ziehen die meisten Brauer Bilanz. Traditionell endet für sie das Geschäftsjahr im September. Mit dem Präsidenten des Bayerischen Brauerbundes, Michael Weiß, sprachen wir über Werte, Wetter und die Wiesn.

Am Samstag Oktoberfest-Anzapfen, am Sonntag Bundestagswahl - welches Ereignis war für Bayerns Brauer wichtiger?

Michael Weiß: Das wichtigere Ereignis war wegen seiner längerfristigen Bedeutung die Bundestagswahl - wenn auch die Emotionen am Samstag hundertprozentig dem Oktoberfest galten.

Die wenigsten Brauer können ihr Bier auf der Wiesn ausschenken. Hat das "Beerfest" trotzdem einen Nutzen für die Branche?

Weiß: Das Oktoberfest hat in den vergangenen Jahrzehnten einen wichtigen Beitrag geleistet, das Thema Bier zu transportieren. Man sollte da nicht kleinkariert sagen: "Es nützt mir nichts, mein Bier wird nicht ausgeschenkt."

Löwenbräu und Spaten gehören zur belgischen Inbev, Paulaner und Hacker-Pschorr sind mit der niederländischen Heineken verbandelt. Wie groß ist die Konkurrenz durch internationale Bierriesen in Bayern?

Weiß: Prinzipiell habe ich die Haltung, dass starke Wettbewerber eine sportliche Herausforderung für uns sind. Quantität bedeutet ja noch lange nicht Qualität. Und die Giganten sind sich sehr wohl bewusst, dass man nur über die Förderung von lokalen Marken Erfolg haben kann. Jetzt bin ich als Präsident des Bayerischen Brauerbundes gespannt, wie die Führungen der Konzerne mit den bayerischen Brauereien umgehen. Ich hoffe, dass sie nicht am langen Gängelband geführt werden, sondern dass auch Menschen hier vor Ort weiter Verantwortung tragen.

Druck kommt auch von Großanbietern, die Billig-Bier auf den Markt sprudeln lassen.

Weiß: Ich bin eigentlich ganz froh, dass es zum Beispiel eine Oettinger gibt, weil die mit ihrer Billig-Konzeption einen klaren Gegner darstellen. Dagegen kann man sich positionieren. Manche wollen wegen eines engen Geldbeutels ein Billigbier. Andere sagen: "Ich identifiziere mich mit dem Bier aus meiner Heimat. Ich bin mir bewusst, dass meine Brauerei Garant für Arbeitsplatze in der Region ist, für Kultur, für eine Kreislaufwirtschaft." Und dass das nicht zum Billig-Preis zu haben ist, leuchtet vielen Menschen ein.

Jahr für Jahr wird in Deutschland weniger Bier getrunken. Mit welcher Strategie können die Brauer dem begegnen?

Weiß: Eine ganz klare Strategie muss heißen: Qualität vor Quantität. Die demographische Entwicklung gibt auch beim Bier-Verkauf die Richtung vor. Hohe Steigerungsraten werden nicht zu erreichen sein. Nichtsdestotrotz wollen wir die Aufmerksamkeit auf Bier lenken. Es ist mir ein Anliegen, Bier auch als Genussgetränk zu profilieren.

Sie haben mit Ihrem eigenen Betrieb und drei weiteren Brauern eine Export-Kooperation geschlossen. Was versprechen Sie sich davon?

Weiß: Wir wollen nicht mit Gewalt irgendwo hindrängen. Wir beginnen mit Griechenland. Da geht der Marktführer Richtung 90 Prozent Marktanteil. Die Verbraucher haben kaum Auswahl und suchen Alternativen. Und wir haben jemand gefunden, der den griechischen Markt über einen Fachhandel mit bayerischen Bierspezialitäten beleben will.

Auf der Wiesn ist die Maß heuer um 15 Cent teurer geworden. Wie wird sich der Bierpreis in den nächsten Monaten entwickeln?

Weiß: Auf der Kostenseite sind Erhöhungen eindeutig. Wir haben eine Teuerung bei Rohstoffen, die Herstellung von Malz ist sehr energieintensiv, die Personalkosten steigen moderat und womöglich kommt eine Mehrwertsteuer-Erhöhung. Ob allerdings der Markt eine Preiserhöhung hergibt, ist eine andere Frage. Hier wird jede Brauerei entscheiden müssen, ob sie die Kostenerhöhungen weitergeben kann.

Biergarten-Wetter gab es diesen Sommer kaum. Wie hart trifft das die Brauer?

Weiß: Juli und August sind für uns die stärksten Sommermonate. Wenn da das Wetter so ist, wie es heuer war, lässt sich das nicht mehr aufholen. Zudem war auch der Jahresanfang eher verhalten. Deshalb rechne ich damit, dass es bis Ende des Jahres zu einem leichten Mengenminus beim Absatz kommen wird.

Verraten Sie uns, in welches Oktoberfest-Zelt Bayerns Brauer-Präsident geht?

Weiß: Ich habe dieses Jahr drei Wiesn-Besuche geplant. Zunächst mit dem Brauerbund im Schützenzelt, dann im Hacker und dann gehe ich - sozusagen zum Höhepunkt - noch zum Augustiner.

Das Gespräch führte Dominik Müller.

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