Gabriel Felbermayr, Leiter des Ifo-Zentrums für Außenwirtschaft.

Hält der künftige US-Präsident Wort?

Ifo-Berechnung: Trumps Handelskrieg bringt USA Rezession

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München - Sofern der künftige US-Präsident Donald Trump seine Abschottungsdrohungen wahr macht und in der Folge einen weltweiten Handelskrieg entfacht, droht sein Land in die Rezession zu schlittern. Das haben Berechnungen des Münchner Ifo-Instituts ergeben.

„Der Effekt einer ziemlich vollständigen Abschottung der USA könnte so aussehen, dass das Land 2017 und 2018 statt jeweils um zwei Prozent real zu wachsen, jeweils um 2,5 Prozent schrumpft“, erklärte Gabriel Felbermayr, Leiter des Ifo-Zentrums für Außenwirtschaft. Von einer Rezession ist nach einer einfachen Definition bereits dann die Rede, wenn das Bruttoinlandsprodukt eines Staates in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen im Vergleich zu den Vorquartalen sinkt.

Felbermayr hat für seine Analyse ein folgenschweres Szenario durchgespielt: Trump setzt als US-Präsident Importzölle in Höhe von 45 Prozent durch und drangsaliert sämtliche Handelspartner mit „nichttarifären Barrieren“ in Höhe von 15 Prozent. Unter solche Barrieren fallen beispielsweise Einfuhrkontingente. Macht Trump das wahr, dürfte das Ausland mit denselben Waffen zum Gegenschlag ausholen. Weltweit würden sich die Volkswirtschaften mit Handelsschranken bekriegen.

Für die USA wären die Konsequenzen fatal: Langfristig dürfte die größte Volkswirtschaft der Welt um neun Prozent ärmer sein als heute, ergeben Felbermayrs Berechnungen. Davon betroffen wäre auch Deutschland. Der Ökonom schätzt aber, dass Deutschland an einer Rezession vorbeischrammen dürfte. „Wir würden schlimmstenfalls 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verlieren“, glaubt er. Bei einem Trendwachstum von 1,5 Prozent folge daraus keine Rezession.

Heftig ins Strudeln kämen Kanada und Mexiko, beides Nachbarländer der Vereinigten Staaten. In Zahlen ausgedrückt: Kanadas Jahreswirtschaftsleistung könnte um 70 Milliarden US-Dollar sinken, das wären rund drei bis vier Prozent. Mexikos Wirtschaftsleistung könnte um 41 bis 57 Milliarden Dollar fallen, das wären rund 3,7 bis fünf Prozent. „China hingegen wäre weniger stark betroffen, weil es eine gut diversifizierte Handelsstruktur hat“, erläutert Felbermayr. Die negativen Effekte eines Handelskrieges würden dort zwischen 0,7 und einem Prozent betragen.

Trotz der düsteren Aussichten gibt der Volkswirt aber Entwarnung: „Wir halten ein solches Szenario des schlimmsten Falles für unwahrscheinlich.“ Zweck der Studie sei, die Größenordnung abzustecken und allen Seiten klarzumachen, welch hohe Gefahren in einer handelspolitischen Eskalation lägen. 

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