ifo-Chef Prof. Clemens Fuest plädiert für eine Verlängerung der staatlichen Hilfsmaßnahmen mit Augenmaß
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Plädiert für eine Verlängerung der staatlichen Hilfsmaßnahmen mit Augenmaß: ifo-Chef Prof. Clemens Fuest

Interview

Corona-Hilfen: ifo-Chef Fuest warnt vor übereilter Verlängerung - „Strukturwandel zulassen“

  • Thomas Schmidtutz
    vonThomas Schmidtutz
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Der Chef des Münchner ifo-Instituts, Prof. Clemens Fuest, hat gegenüber Merkur.de vor einer übereilten Verlängerung der staatlichen Corona-Hilfen gewarnt.

  • Die staatlichen Corona-Hilfen sollen Unternehmen über die Krise hinweghelfen - so der Plan der Politik.
  • Chef des Münchner ifo-Instituts, Prof. Clemens Fuest, warnt nun vor einer übereilten Verlängerung der Gelder.
  • Es sei notwendig, Strukturwandel zuzulassen, sagt Fuest im Interview mit Merkur.de.

München – Zwar könne man dank der Hilfen in vorübergehenden wirtschaftlichen Einbrüchen Arbeitsplätze erhalten und Unternehmen stützen, sagte der ifo-Chef gegenüber Merkur.de*. Zugleich müsse der Staat aber den notwendigen Strukturwandel zulassen, mahnte Fuest im Interview.

Herr Professor Fuest, Bundesarbeitsminister Hubertus Heil will die Höchstbezugsdauer für das Arbeitslosengeld von bislang 12 auf 24 Monate verlängern und auch die geplante Aufstockung beibehalten. Wie sinnvoll sind diese Pläne?

Für diese Entscheidung ist es zu früh. Kurzarbeitergeld hat den Vorteil, dass vorübergehende wirtschaftliche Einbrüche ohne Entlassungen überbrückt werden können. Der Nachteil besteht darin, dass eventuell Jobs erhalten werden, die letztlich doch wegfallen. Deshalb muss man umso genauer hinschauen, je länger die Kurzarbeit dauert. Ob es im nächsten Frühjahr sinnvoll ist, für ein weiteres Jahr Kurzarbeitergeld zu zahlen, kann man jetzt nicht sinnvoll beurteilen.

Angesichts der jüngst gestiegenen Fallzahlen gibt es erneut Befürchtungen, dass die Bundesregierung oder einzelne Landesregierungen womöglich weitere Lockdowns verhängen könnten. Was würden solche Beschränkungen für die Wirtschaft bedeuten?

Es kommt darauf an, ob die Lockdowns flächendeckend sind oder nicht. Es ist wichtig, bei größeren regionalen Ausbrüchen entschlossene Maßnahmen zur Eindämmung zu ergreifen, damit das Virus sich nicht so weit verbreitet, dass ein flächendeckender Lockdown nötig wird.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier will zudem die Überbrückungshilfen für kleine und mittelständische Unternehmen verlängern. Ist das der richtige Weg?

Ähnlich wie beim Kurzarbeitergeld muss man auch hier abwägen zwischen dem Anliegen, Unternehmen mit nachhaltigen Geschäftsmodellen zu helfen, und der Notwendigkeit, Strukturwandel zuzulassen. Eine Verlängerung bis zum Ende dieses Jahres ist sicherlich vertretbar, dann sollte man je nach Wirtschaftsentwicklung neu entscheiden. *Merkur.de ist Teil des Ippen Digital Netzwerks.

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