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Stimmung in den deutschen Chefetagen hellt sich überraschend auf: „Rezession verliert ihren Schrecken“

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Von: Thomas Schmidtutz

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Hamburger Hafen: Nach dem drastischen Stimmungseinbruch in der deutschen Wirtschaft wegen des Ukraine-Kriegs fassen die Unternehmen allmählich wieder Zuversicht.
Hamburger Hafen: Nach dem drastischen Stimmungseinbruch in der deutschen Wirtschaft wegen des Ukraine-Kriegs fassen die Unternehmen allmählich wieder Zuversicht. © Christian Charisius/dpa

Hohe Energiepreise, rekordhohe Inflation, anhaltende Lieferprobleme: Das wirtschaftliche Umfeld ist schwierig. Doch sehen die Zukunft nicht mehr ganz so düster wie noch zum Jahresanfang.

München - Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im November unerwartet deutlich aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklima stieg im Vergleich zum Vormonat um 1,8 Punkte auf 86,3 Zähler, wie das Münchner Ifo-Institut am Donnerstag mitteilte. Zugleich revidierten die Ifo-Ökonomen den Wert für den Vormonat nach oben. Da ach war das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer bereits im Oktober erstmals seit Mai wieder gestiegen.

Ifo-Chef Fuest: Pessimismus lässt merklich nach

„Mit den laufenden Geschäften waren die Unternehmen zwar weniger zufrieden, aber der Pessimismus mit Blick auf die kommenden Monate ließ merklich nach“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Rezession dürfte weniger tief ausfallen als viele erwartet hätten.

Erst im September hatten die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrer Gemeinschaftsdiagnose für 2023 vor einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent gewarnt. Die Wirtschaftsweisen gehen laut dem Mitte November veröffentlichten Jahresgutachten dagegen von einem Minus von 0,2 Prozent aus.

Ökonomen hatten im November mit einer besseren Unternehmensstimmung gerechnet, waren aber nur von 85 Punkten ausgegangen. In den vergangenen Monaten hatten die Inflation und Probleme mit Lieferketten den Stimmungsindikator belastet, der auf einer Umfrage unter rund 9000 Unternehmen basiert. Für den Index wird die Stimmung mit dem Durchschnitt des Jahres 2015 verglichen.

Die befragten Unternehmen beschrieben ihre aktuelle Geschäftslage im November etwas schlechter als im Monat zuvor. Ausschlaggebend für das insgesamt bessere Geschäftsklima waren die Erwartungen: Der entsprechende Index stieg auf 80 Punkte von 75,9 Punkten im Oktober.

Ifo-Geschäftsklima: Stimmungsaufhellung auf breiter Front

Die Stimmung verbesserte sich in allen Bereichen der Wirtschaft, besonders aber in der Industrie und in der Dienstleistungsbranche. „Die Rezession verliert ihren Schrecken“, kommentierte Chefvolkswirt Ulrich Kater von der Dekabank. Er erwartet, dass die Unsicherheit über die Energieversorgung und damit die Sorgen um die Produktion in den kommenden Monaten zurückgeht. Die deutschen Unternehmen stünden allerdings vor langfristigen Herausforderungen, sagte Kater.

Sein Commerzbank-Kollege Jörg Krämer verwies auf das Entlastungspaket der Bundesregierung und darauf, dass das Risiko eines Gasmangels deutlich gesunken sei. „Ich erwarte unverändert eine Rezession, mehr denn je aber keinen wirtschaftlichen Kollaps.“ (dpa/utz)

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