Geschäftsaufgabe: Wegen der Corona-Pandemie droht vielen Betrieben in den nächsten Monaten das Aus.
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Geschäftsaufgabe: Wegen der Corona-Pandemie droht vielen Betrieben in den nächsten Monaten das Aus.

Wegen Corona

Kinos, Reisebüros, Hotels: Münchner Wirtschafts-Experte befürchtet schlimme Pleitewelle im Herbst

  • Thomas Schmidtutz
    vonThomas Schmidtutz
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Der Konjunkturchef des Münchner ifo-Instituts, Professor Timo Wollmershäuser, befürchtet wegen der Corona-Pandemie einen starken Anstieg der Unternehmensinsolvenz im Herbst.

  • Wegen der Corona-Pandemie ist die Lage bei vielen Unternehmen kritisch.
  • Um eine mögliche Insolvenz zu verhindern, haben viele Betriebe im Frühjahr Kredite aufgenommen.
  • Der ifo-Konjunkturchef erwartet eine „Insolvenz-Welle".

Auf die deutsche Wirtschaft komme ab dem dritten Quartal „eine ordentliche Insolvenz-Welle zu“, sagte Wollmershäuser gegenüber Merkur.de*. Besonders kleinere Unternehmen wie Reisebüros, Einzelhändler oder Hotels und Gaststätten, die wegen des Corona-Lockdowns im März und April ohnehin bereits angeschlagen waren, seien gefährdet. Auch andere Betriebe wie Kinos, Musikstudios oder kleine Verlage könnten die Krise womöglich nicht überstehen.

Um sich angesichts des Corona-Lockdowns kurzfristig Luft zu verschaffen und ihre Liquidität zu sichern, hatten sich viele Unternehmen im Frühjahr bei ihren Hausbanken kurzfristig Geld geliehen, sagte Wollmershäuser. Dies zeigt auch ein Blick auf den Bundesbank-Bericht vom Mai. Danach habe es im März und April „den kräftigsten Anstieg der Nachfrage nach Unternehmenskrediten“ seit Beginn der Daten-Erfassung Ende 2002 gegeben, konstatieren die Bundesbank-Volkswirte.

Pleitewelle: Viele Unternehmen haben im Frühjahr Kredite aufgenommen

Die Kosten für Zinsen und Tilgung der Kredite ließen sich aber nur über einen entsprechend höheren Umsatz wieder einspielen, sagte Wollmershäuser. Doch diese Hoffnung erweist sich nun in vielen Bereichen als trügerisch. Damit droht just jenes Szenario, dass der Bund und die Länder eigentlich verhindern wollten.

Um die Konjunktur in Deutschland zu stützen und eine Pleitewelle zu verhindern, hatte die Bundesregierung im Frühjahr ein umfassendes Hilfspaket für Unternehmen geschnürt. Neben Zuschüssen sah es unter anderem auch ein milliarden-schweres Kredit-Programm vor. Dabei übernimmt der Staat über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bei Kredit-Anträgen von Unternehmen die Bürgschaft und trägt damit auch das Ausfallrisiko. Dazu kamen weitere Maßnahmen wie die Senkung oder Stundungen von Steuerzahlungen oder die Möglichkeit, mögliche Verluste im laufenden Jahr mit Gewinnen aus dem Vorjahr zu verrechnen.

Außerdem hatte die Bundesregierung auch das Insolvenzrecht vorübergehend eingeschränkt. Normalerweise muss ein Unternehmer beim zuständigen Amtsgericht innerhalb von drei Wochen einen Insolvenzantrag stellen, wenn er seine Rechnungen nicht mehr bezahlen kann, weil er überschuldet ist. Diese Regelung hat der Bund bis zum 30. September ausgesetzt. Sollte die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht tatsächlich Ende September auslaufen, dürfte die befürchtete Pleitewelle wohl kaum noch aufzuhalten sein.

Deutsche Wirtschaft im zweiten Qurtal mit historischem Einbruch

Die deutsche Wirtschaft hat im zweiten Quartal den größten Einbruch seit dem Zweiten Weltkrieg erlebt. Von April bis Juni bracht das Brutto-Inlandsprodukt gegenüber dem Vorquartal um 10,1 Prozent ein. Zugleich stieg die Arbeitslosenzahl und die Zahl der Kurzarbeiter deutlich an. Im Juli waren bundesweit 2,91 Millionen Menschen ohne Job. Im Juni dürfte die Zahl der Kurzarbeiter laut Bundesagentur für Arbeite bei 4,5 Millionen gelegen haben.

Die Talsohle ist nach Einschätzung der meisten Volkswirte aber inzwischen wohl durchschritten. Im zweiten Halbjahr dürfte die Wirtschaft nach Einschätzung der meisten Ökonomen wieder wachsen. In einer neuen Umfrage des Ifo-Instituts kam heraus, dass viele deutsche Unternehmen fest damit rechnen, dass das Coronavirus noch lange einen Einfluss auf die Wirtschaft haben wird. *Merkur.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

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