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ifo-Professor Carstensen: „Wir können Italien nicht retten“

München - Nach Einschätzung des Münchner ifo-Instituts wären die Euro-Länder nicht in der Lage, die überschuldeten Staaten Italien und Spanien durch einen Rettungsschirm abzusichern.

Es ist schlicht nicht möglich, Italien und Spanien vollständig zu retten. Ihre Schulden sind einfach zu hoch", sagte Professor Kai Carstensen, Bereichsleiter Konjunktur und Befragungen am ifo-Institut, dem "Münchner Merkur" (Dienstag). "Ich fürchte, wir können gar keinen Rettungsschirm schaffen, der Italien und Spanien auffängt. Denn das würde letztlich bedeuten, dass sich die anderen Euro-Staaten das Risiko der gesamten italienischen und spanischen Staatsschulden aufbürden. Dieses Risiko wäre aber dermaßen groß, dass es ganz schnell auch mit dem AAA-Rating für Deutschland vorbei wäre. Das heißt, wir wären dann auch einer der windigen Schuldner und müssten selbst höhere Zinsen für das Geld bezahlen, dass wir uns leihen wollen. Es wäre eine Art Ansteckung durch Hilfe", erklärte der Volkswirt.

Carstensen kritisierte zudem das Krisenmanagement der Euroländer. "Das Problem ist, dass eine Feuerlöschaktion nach der anderen durchgeführt, aber viel zu wenig über Brandschutz geredet wird. Und wenn man doch einmal darüber spricht, dann immer viel zu spät", so der Professor. So seien beispielsweise die Probleme Italiens schon lange offenkundig gewesen. "Ich kann nur hoffen, dass die Nettozahler – allen voran Deutschland – ausreichend politischen Druck aufbauen, damit die überschuldeten Länder ihre Probleme dauerhaft angehen", forderte der ifo-Experte.

Zudem äußerte Carstensen die Vermutung, die eigentlich unabhängige Europäische Zentralbank (EZB) habe möglicherweise auf Geheiß der Politik entschieden, Staatsanleihen von Italien und Spanien zu kaufen. Er habe das Gefühl, "die Zentralbank agiert auf Zuruf der Finanzminister. Ich will ihr gar nicht unterstellen, dass sie sich wirklich unter Druck setzen lässt. Aber die ganze Kommunikation ist schon ziemlich verquer gelaufen. Die EZB hat ja nicht selbst angekündigt, italienische Anleihen zu kaufen. Der französische Finanzminister hat es verkündet. Das spricht nicht dafür, dass die EZB hier eine eigenständige Rolle spielt", so der Professor.

mm

Rubriklistenbild: © dpa

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