Ifo: Unternehmen leben nicht mehr allein von der Hoffnung

- München - Die Anzeichen für einen bevorstehenden Aufschwung haben sich im November verstärkt: Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft verbesserte sich laut Ifo-Geschäftsklimaindex das siebte Mal in Folge. Das zu den wichtigsten Wirtschaftsindikatoren gehörende Stimmungsbarometer des Instituts stieg von 94,3 auf 95,7 Punkte. "Der von den USA und Asien ausgehende Konjunkturaufschwung scheint nun auch Deutschland zu erfassen", erklärte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn.

<P>Als sicheren Beleg einer konjunkturellen Erholung wertete er, dass der Index nun zum siebten Mal in Folge anstieg, wie es auch im Aufschwungjahr 1999 nach der Asienkrise zu beobachten gewesen sei. Die 7000 von dem Wirtschaftsforschungsinstitut befragten Unternehmen schätzten nicht nur die Zukunftserwartungen günstiger ein als im Vormonat, sondern auch vor allem ihre aktuelle Geschäftslage. Während bislang die Furcht vor einer Erwartungsblase bestand, sei der Trend nun gefestigt, betonte Sinn.</P><P>Getragen wird die Erholung dabei vom Export und der Industrie, wie Ifo-Konjunkturexperte Gernot Nerb erklärte: "Die Exporterwartungen haben sich trotz des gestiegenen Euros weiter verbessert." </P><P>Hauptrisiko für einen echten Aufschwung sei die weiterhin schwache Binnennachfrage. Auch ein weiterer Anstieg des Euros oder die Furcht vor Terroranschlägen könne die Entwicklung dämpfen. "Unter normalen Umständen müsste sich die Erholung fortsetzen und in einen echten Aufschwung münden", sagte Nerb. Damit sei im Frühjahr oder Mitte nächsten Jahres zu rechnen. Angesichts der nun auch besser beurteilten aktuellen Geschäftslage sei nicht mehr zu befürchten, dass es sich um reine Wunschvorstellungen der Unternehmen handle. "Anders als im letzten Jahr haben wir jetzt die Bestätigung, dass die Firmen nicht mehr von der Hoffnung leben", sagte Nerb. Größter Schwachpunkt sei jedoch das Verhalten der Konsumenten. Anders als beim verarbeitenden Gewerbe und der Bauindustrie sei es im Einzelhandel bei der Beurteilung der aktuellen Geschäfte im November zu einer spürbaren Verschlechterung gekommen.</P><P>"Die Erwartungen sind deutlich skeptischer als vor ein paar Monaten", sagte Nerb. "Hier könnte der Impuls einer vorgezogenen Steuerreform hilfreich sein." Die Industrie habe dagegen den erneuten Anstieg des Eurokurses überraschend gut verkraftet, der Preisdruck auf die Firmen lasse nach. Die Lage im Baugewerbe sei dagegen noch immer sehr schlecht, das Klima drehe sich aber. "Es ist ein langer Weg bis die Branche in eine befriedigende Situation kommt, es könnte aber sein, dass das Schlimmste vorbei ist", sagte Nerb. Möglicherweise beeinflussten nach der Diskussion um die Eigenheimzulage kurzfristig begonnene Projekte das Bild positiv aber nicht dauerhaft.</P><P>Der Einzelindex für die aktuelle Geschäftslage stieg von 81,1 auf 83,2 Punkte und verbesserte sich damit deutlicher als die Erwartungen für die nächsten sechs Monate, die leicht von 107,9 auf 108,7 Punkte zulegten. "Die Erwartungen sind aber immer noch besser als die Lage", so Nerb. Das Ifo-Institut bleibt bei der Gemeinschaftsprognose der Wirtschaftsinstitute von 1,7 Prozent Wachstum für 2004.<BR></P>

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