Ifo-Institut: Deutscher Wirtschaft fehlt es weiterhin an Schwung

- München - Der deutschen Wirtschaft fehlt es weiter an Schwung. Nach der Aufhellung im Vormonat hat sich die Stimmung in den Unternehmen im August wieder leicht eingetrübt. Der Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo Instituts für Wirtschaftsforschung gab im August von 95,6 auf 95,3 Punkte nach. Experten hatten vor allem wegen der hohen Rohöl-Preise einen noch stärkeren Rückgang erwartet.

<P>Rekordpreise beim Erdöl, heftige Diskussionen um Hartz IV und zugleich wachsender Optimismus in der Exportwirtschaft das Stimmungsbild in der deutschen Wirtschaft präsentiert sich zurzeit höchst widersprüchlich. Frühindikatoren wie der Ifo-Geschäftsklimaindex bilden die anhaltende Unsicherheit über die künftige konjunkturelle Entwicklung in Deutschland ab.</P><P> Nach zwei Rückgängen in Folge war das Barometer noch im Juli überraschend deutlich angestiegen, um im August wieder nachzugeben. Manche Experten äußern inzwischen Zweifel an der Aussagekraft solcher Stimmungsbilder. "Vom Ifo-Index auf das Wirtschaftswachstum zu schließen, ist schwierig", sagt der Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der Commerzbank, Ralph Solveen.<BR><BR>"Wir haben das Gefühl, beim Ifo-Index wird so ein bisschen der Bauch der Unternehmer befragt", sagt Solveen. Noch stärkere Zweifel hat er am Index für die Konjunkturerwartungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), für den monatlich 300 Analysten und institutionelle Anleger nach ihren mittelfristigen Erwartungen zur Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung befragt werden: "Das ist Psychologie pur."<BR><BR>Andere Ökonomen sehen die Frühindikatoren weniger skeptisch. "Der Ifo-Index ist ein Stimmungsindikator, und schon Ludwig Erhard wusste: 50 Prozent der Wirtschaft sind Psychologie", sagt der Allianz-Konjunkturexperte David Milleker. Allerdings berücksichtige der Ifo-Index beispielsweise Effekte wie die unterschiedliche Zahl von Arbeitstagen in verschiedenen Geschäftsjahren nicht ausreichend. Problematisch sei auch die große "Erwartungslücke", die das Stimmungsbild vor allem im vergangenen Jahr prägte: Während sich die Aussichten für die künftigen Geschäftserwartungen monatelang nach oben entwickelten, hinkte die tatsächliche Lage der Unternehmen deutlich hinterher. "Da wurde man an der Nase herumgeführt", sagt Milleker.<BR><BR>Für die Wirtschaftsforschungsinstitute selbst lassen die Stimmungsbilder durchaus Rückschlüsse auf die weitere Wirtschaftsentwicklung zu. "Das spiegelt einfach die Befindlichkeit wider, es gibt ständig Veränderungen bei den politischen Reformvorschlägen", sagt Michael Schröder, Leiter des Forschungsbereichs internationale Finanzmärkte am ZEW.<BR></P>

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