IG-BAU-Chef fordert gesetzlichen Mindestlohn für tariflose Branchen

Frankfurt/Main - Der IG-BAU-Vorsitzende Klaus Wiesehügel hat die rasche Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns für tariflose Branchen in Deutschland gefordert.

"Ich bin nach wie vor für den Vorrang des tariflichen Mindestlohns", sagte der Chef der IG Bauen- Agrar-Umwelt (IG BAU) der Deutschen Presse-Agentur dpa in Frankfurt. Wo aber Arbeitgeber nicht einsichtig seien oder der jeweiligen Gewerkschaft die Durchsetzungsfähigkeit fehle, sei ein gesetzlicher Mindestlohn von mindestens 7,50 Euro notwendig. "Wer dann nicht in der Lage ist, seinen Mitarbeitern 7,50 Euro zu zahlen, der soll selber arbeiten gehen und nicht den Markt mit seinen kruden Unternehmenspraktiken belasten", forderte der IG-BAU-Chef.

Die Bauwirtschaft habe mit dem 1997 eingeführten Mindestlohn gute Erfahrungen gemacht. "Wir haben viele Arbeitsplätze damit gerettet", sagte der Gewerkschaftsvorsitzende. In seinem Organisationsbereich halte er allgemeinverbindliche Mindestlöhne auch für den Garten- und Landschaftsbau, private Forstdienstleister sowie die Landwirtschaft für notwendig. Viele Arbeitgeber würden noch gar nicht merken, "dass sie nicht unendlich auf billige Arbeitskräfte aus aller Herren Länder für ihre Saisontätigkeiten zurückgreifen können". Viele polnische Arbeitnehmer arbeiteten inzwischen lieber in England, wo sie acht Euro Mindestlohn bekämen, "und bei uns werden sie meistens noch in den letzten Wochen um ihr Geld betrogen".

Wiesehügel warnte die Politik davor, sich "Erpressungsversuchen" wie denen privater Postdienstleister beim Post-Mindestlohn zu beugen. "Da kann der Staat dann einpacken, dann brauchen wir keine Gesetze mehr machen", sagte der IG-BAU-Chef. Es sei ein Unding, dass allein in Sachsen zigtausende Arbeitnehmer ergänzendes Arbeitslosengeld II bekämen. "Damit subventionieren wir über Steuergelder Unternehmer, von denen ich nicht wirklich weiß, ob der Markt sie braucht", sagte Wiesehügel. Dies sei ökonomisch "hanebüchen" und viel schädlicher als die eine oder andere Subvention. "Wir sollten nicht dem Unternehmer, der seinen Leuten kein Geld gibt, über Steuergelder oder über Beiträge die Löhne aufpeppen", sagte der Gewerkschaftschef.

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