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Mehr Zeit für die Familie: Die IG Metall möchte die Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden herunterhandeln.

Für bestimme Gruppen

Forderungen der IG Metall - kommt die 28-Stunden-Woche?

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Weniger Arbeit, mehr Zeit für die Familie - das fordert die IG Metall für bestimmte Gruppen von Arbeitnehmern. Der Vorschlag trifft jedoch auf wenig Begeisterung.

München - In der Metall- und Elektroindustrie bahnt sich ein harter Tarifkampf an. Die IG Metall fordert nicht nur mehr Geld, sie will für ihre Mitglieder mehr freie Zeit.

Genau 23 Jahre nach Vollendung der 35-Stunden-Woche verlangt die IG Metall in den Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie neben 6 Prozent mehr Geld die grundsätzliche Möglichkeit für die 3,9 Millionen Beschäftigten, über einen Zeitraum von zwei Jahren ihre Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden reduzieren zu können. Ausdrücklich gilt diese Forderung auch für den Osten, in dem noch eine tarifliche Regelarbeitszeit von 38 Stunden vereinbart ist.

Fließbandarbeit: Schichtarbeiter können sich bald womöglich auf mehr Freizeit freuen.

Ausgleichszahlungen für Schichtarbeiter oder Pflegende

Schichtarbeiter, Eltern junger Kinder und pflegende Familienangehörige sollen für den entgangenen Lohn zudem Ausgleichszahlungen in unterschiedlicher Höhe erhalten, so der Erste Vorsitzende der IG Metall, Jörg Hofmann, am Dienstag bei der Vorstellung der Vorstandsempfehlung. Berechtigt könnten bis zu 40 Prozent der Belegschaften sein.

Für Schichtarbeiter und andere Beschäftigte mit belastenden Arbeitszeiten verlangt die IG Metall fünf jährliche Freischichten mit einem Entgelt auf dem Niveau der untersten Lohngruppe von 750 Euro. Wer zuhause Angehörige pflegt oder Kinder unter 14 Jahren betreut, soll dauerhaft und je nach Einzelfall seine Arbeitszeit reduzieren können. Einen Lohnausgleich soll es nach den Vorstellungen der Gewerkschaft für einen halben Tag pro Woche (3,5 Stunden) geben.

„Wir fordern Geld und wir fordern Zeit. Zeit ist unseren Mitgliedern ein immer höheres Gut in den letzten Jahren geworden“, erklärt der Chef der stärksten deutschen Gewerkschaft. Die Forderung treffe den Nerv der Beschäftigten. Die Branche müsse sich um zeitgemäße Arbeitsplätze bemühen. „Die Arbeitgeber stehen nicht als Verlierer da, sondern sie gewinnen dadurch Arbeitszeitmodelle, die sie attraktiv machen.“

6 Prozent mehr Lohn!

Schon das Verlangen nach der Möglichkeit der 28-Stunden-Woche ist ein dickes Brett. Hinzu kommt eine saftige Forderung von 6 Prozent mehr Lohn. 2016 hatte die IG Metall in einer reinen Lohnrunde 5 Prozent mehr Geld verlangt. Man einigte sich schließlich nach Warnstreiks auf ein Plus von 2 Prozent. 2012 erkämpfte die Metallergewerkschaft 4,1 Prozent, gefordert waren damals 6,2 Prozent. Von kürzeren Arbeitszeiten war dabei wie auch im Jahr zuvor allerdings keine Rede. Die Tarifforderung wird noch einmal in den regionalen Tarifkommissionen beraten, die aber in aller Regel nicht mehr von der Empfehlung des Vorstands abweichen. Warnstreiks im wichtigsten deutschen Industriezweig sind ab dem 1. Januar nächsten Jahres möglich.

Arbeitgeber: Schon jetzt flexible Arbeitszeiten

Die Arbeitgeber lehnen die IG-Metall-Forderung ab. Schon heute würden für die „allermeisten Arbeitszeitwünsche“ in den Betrieben passenden Lösungen gefunden, so Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger. Einen Lohnausgleich für die Pflege Angehöriger oder Kindererziehung sei unnötig, mit einem Durchschnittseinkommen von bis zu 63.000 Euro könnten sich Metaller mehr Freizeit ohne Lohnausgleich leisten. Ein zusätzlicher Anspruch auf Arbeitszeitverkürzung werde den Fachkräftemangel hingegen weiter verschärfen. „Weil qualifiziertes Personal fehlt, bleiben schon jetzt oft Aufträge liegen.“ Zudem gefährde die IG Metall mit ihren kostentreibenden Forderungen künftige Investitionen am Standort Deutschland. Die Öffnung des Manteltarifvertrages könnte zur Tarifflucht bei den Unternehmen führen.

Nicht angetan von den Forderungen der IG Metall: Rainer Dulger ist Gesamtmetall-Präsident.

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