Rund 700 000 Job in der Metallindustrie sind durch die Krise bedroht. Arbeitgeber und Gewerkschaften setzen daher auf Beschäftigungssicherung. Foto: ddp

IG-Metall-Tarifrunde: Der Durchbruch ist zum Greifen nah

München - Das Paket zur Jobsicherung ist geschnürt, jetzt geht es in der Metall- und Elektroindustrie noch um die Lohnfrage. Vor der entscheidenden Verhandlungsrunde in Düsseldorf zeigten sich Gewerkschaften und Arbeitgeber vorsichtig optimistisch.

Es könnte eine der kürzesten Tarifrunden in der Geschichte der Metallindustrie werden: Erst vor einer Woche hatten die Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg begonnen. Beide sind Pilotregion für die übrigen Bundesländer.

Überhaupt ist in diesem Jahr einiges anders. Erstmals verzichtete die IG Metall auf konkrete Lohnforderungen. Stattdessen stellte die Gewerkschaft die Beschäftigungssicherung in den Mittelpunkt der Tarifrunde. Der Hintergrund: Wegen der Krise sind bundesweit rund 700 000 der etwa 3,4 Millionen Stellen in der Metall- und Elektroindustrie akut gefährdet. Auch die Unternehmen fürchten, qualifiziertes Personal zu verlieren. Die Tarifpartner suchen daher gemeinsam nach einem Nachfolge-Modell für die Kurzarbeit, die im Laufe des Jahres in vielen Betrieben endet.

Ein erster Durchbruch gelang Mittwochabend in Stuttgart. Arbeitgeber und Gewerkschaft verständigten sich auf ein Paket zur Beschäftigungssicherung. So wird es künftig ein Modell der tariflichen Kurzarbeit geben. Sie soll greifen, wenn die bestehenden Kurzarbeiterregeln ausgeschöpft sind. In der tariflichen Kurzarbeit kann die Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden abgesenkt werden. Die Beschäftigten bekommen für die ausgefallenen Stunden einen Teillohnausgleich. „In einer außergewöhnlichen Zeit sind wir einen außergewöhnlichen Weg gegangen“, lobte IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann den Kompromiss. Mit dem Paket könnten viele Jobs über die Krise gerettet werden.

Knackpunkt bleibt allerdings die Lohnfrage. Die Gewerkschaft beharrt auf einem Inflationsausgleich. Im Gespräch ist aber auch eine Einmalzahlung. Gibt es in diesem Punkt keine Einigung, könnten die Verhandlungen doch noch platzen. Die Tarifverträge in der Branche laufen Ende April aus. Um frühzeitig Arbeitsplätze zu retten, hatten sich beide Seiten auf vorgezogene Gespräche verständigt.

Vor der entscheidenden Runde beteuerten die Tarifpartner nochmals ihren guten Willen. Er gehe davon aus, dass bis zum heutigen Donnerstag eine Einigung gelingen könne, sagte IG-Metall-Chef Huber. Dass ein Abschluss in greifbarer Nähe ist, zeigte sich allein daran, dass die Spitzen der Gewerkschaft und des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall nach Düsseldorf gekommen waren.

Auch Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie (VBM), gab sich optimistisch: „Die Wahrscheinlichkeit für eine Einigung ist auf jeden Fall größer als für ein Scheitern.“ Dennoch sei es bis zu einem Abschluss noch ein weiter Weg. Äußerst kritisch sieht der VBM-Chef auch die Forderung nach einem Inflationsausgleich. „Die Beschäftigungssicherung kommt die Betriebe teuer. Für höhere Löhne ist kein Geld da.“

Sollten sich beide Seiten einigen, könnte auch in Bayern rasch ein neuer Tarifvertrag stehen. Es habe bereits Sondierungsgespräche gegeben, „an die wir nahtlos anknüpfen könnten“, erklärte Brossardt. „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es in Bayern dann immer rasch einen Kompromiss gab.“

Steffen Habit

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