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Nach Einschätzung der IG Metall gibt es in ihrem Organisationsbereich rund 15 000 Betriebe, in denen grundsätzlich die Wahl eines Betriebsrats möglich wäre. Foto: Sebastian Gollnow

Wahlem stehen an

IG Metall will Betriebsratsarbeit ausweiten

Nur eine Minderheit der Beschäftigten wird in Deutschland von einem Betriebsrat vertreten. Auch die IG Metall hat in ihrem Bereich noch Nachholbedarf und will die Betriebe nicht den Rechten überlassen.

Frankfurt/Main (dpa) - Bei den anstehenden Betriebsratswahlen in mehr als 11 000 Betrieben in ihrem Organisationsbereich will die IG Metall die Mitbestimmung ausweiten.

Die am 1. März beginnenden Wahlen würden zum Erfolg, wenn es gelinge, mehr Betriebsräte zu installieren als vier Jahre zuvor, sagte der Funktionsbereichsleiter Betriebspolitik, Rudolf Luz, der Deutschen Presse-Agentur. Eine weiterhin hohe Wahlbeteiligung von um die 70 Prozent stärke zudem den gewählten Kollegen den Rücken für ihre vierjährige Amtszeit.

Nach Einschätzung der Gewerkschaft gibt es in ihrem Organisationsbereich rund 15 000 Betriebe, in denen grundsätzlich die Wahl eines Betriebsrats möglich wäre.

Im Jahr 2016 hatten davon 11 147 einen Betriebsrat. Bei den knapp 4000 Betrieben ohne gewählte Arbeitnehmervertretung handele es sich um kleine und mittlere Unternehmen, die angegangen werden sollten, sagte Luz. "Die Initiative zur Bildung eines Betriebsrats muss aber aus der Belegschaft selbst kommen. Häufig gibt ein interner Konflikt dafür den Anstoß."

Die Bedeutung rechter Splittergruppen wie des bei Daimler auftretenden "Zentrum Automobil" sei bei den Betriebsratswahlen marginal, sagte Luz. "Die treten vielleicht in einem Dutzend Betrieben an, da sind wir aber absolut im Promillebereich."

Es sei durchaus möglich, dass die pauschale Modernisierungs- und Globalisierungskritik dieser mit Rechtsextremen vernetzten Gruppe bei einzelnen Beschäftigten verfange. Lösungen für die anstehenden Probleme hielten die Rechtspopulisten aber nicht bereit. "Sie müssen selbst ja keine Vereinbarungen mit dem Unternehmen treffen."

Die Arbeit der Betriebsräte habe sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt und stelle hohe Ansprüche, meinte Luz. "Ging es früher vor allem um eine Schutzfunktion zur Wahrung der Arbeitnehmerrechte, sind in zunehmend heterogenen Belegschaften inzwischen zahlreiche Interessen zu berücksichtigen.

Die Schaffung und Sicherung individueller Selbstbestimmung - wie zum Beispiel beim mobilen Arbeiten - ist hier ein gemeinsamer Nenner und damit ein wichtiges Element moderner Betriebspolitik." Betriebsräte müssten kommunikativ und konfliktfähig sein, um die Interessen der Belegschaften wirksam vertreten zu können.

Grundsätzlich sei es Ziel der IG Metall, über die Betriebs- und Aufsichtsräte die Unternehmensstrategie mit zu gestalten, wenn es zum Beispiel um den Einsatz neuer Technologien oder Arbeitszeitfragen gehe, sagte Luz. Die Beschäftigten hätten ein starkes Interesse an einer nachhaltigen Standortsicherung, so dass ihre Einbindung große Vorteile für die Unternehmen beinhalte. Über Betriebsräte könnten die Beschäftigten auch in Veränderungsprozesse eingebunden werden.

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