Iglo-Tiefkühlkost vor Verkauf

- Rotterdam/Hamburg - Das Geschäft mit Tiefkühlkost kommt durch den geplanten Verkauf der Unilever-Sparte mit ihrer Marke Iglo in Bewegung. Der niederländisch-britisch Konsumgüterkonzern teilte am Donnerstag in Rotterdam mit, dass er seine europäischen Tiefkühlmarken mit einer Ausnahme verkaufen wolle. Es gebe kaum noch Wachstumsmöglichkeiten für die Produkte, begründete das Unternehmen seine Entscheidung. Bei Tiefkühlkost dominieren Handelsmarken den Wettbewerb. Kaufinteressenten sollen sich gemeldet haben. Die geplante Veräußerung gehört zum straffen Sparprogramm, das sich Unilever verordnet hat.

Von einer Veräußerung wären europaweit etwa 3500 Beschäftigte betroffen, in Deutschland 1800 Mitarbeiter. "Wir werden um jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen", kündigte der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Franz-Josef Möllenberg, in Hamburg an. Sollte ein Käufer als erstes den Tarifvertrag angreifen und Standards herunterfahren, "werden wir uns das nicht gefallen lassen".

Der Geschäftsführer der Iglo-Tochter Frozen Fish International (FFI) in Bremerhaven, Joachim Michael Bockisch, versicherte, dass bei einem Verkauf Arbeitsplätze über langfristige Verträge abgesichert werden. Er hält dann auch den Einstieg in neue Geschäftsfelder für möglich, weil der Betrieb nicht mehr an Konzernrestriktionen gebunden sei.

Der NGG-Chef warf Unilever eine verfehlte Unternehmenspolitik vor. "Ich bin es leid, dass nur noch an der Renditeschraube gedreht wird." Im Werk Reeken (NRW) sei seit 15 Jahren die Zahl der Mitarbeiter von 1700 auf 600 reduziert worden. 2005 steigerte der Konzern seinen Überschuss um 21 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg um drei Prozent auf 39,7 Milliarden Euro. In Deutschland hatte Unilever im Rahmen der Konzernstrategie, das Produktportfolio zu straffen, zuletzt Speiseöle und Kindernahrung gänzlich an die Peter Kölln KGaA (Elmshorn) verkauft.

Die Produktion von Iglo ist in Bremerhaven sowie in Reeken im Münsterland angesiedelt, die Verwaltung bei der Deutschlandzentrale in Hamburg. "Die Produktion und das Geschäft laufen bis zum Verkauf weiter", sagte der Deutschland-Sprecher Rüdiger Ziegler. Der Speiseeisbereich Langnese sei nicht betroffen.

Nur in Italien behält Unilever den Tiefkühlbereich, der dort rund ein Viertel der Erlöse ausmacht. In Deutschland trägt er rund ein Zehntel zum inländischen Gesamtumsatz von 2,4 Milliarden Euro bei. Unilever bekam in dieser Sparte die Konkurrenz der Handelsmarken zu spüren. "Ein Markenhersteller kann nicht billig produzieren", hieß es. Seit Mai vergangenen Jahres werden bei Iglo-Fischstäbchen nur noch Alaska-Seelachs-Filets aus bestandserhaltender Fischerei verwendet.

Für Unilever blieb die Entwicklung in Europa 2005 schwierig. In Deutschland und Frankreich setzte Unilever zwei Prozent weniger mit Lebensmitteln um als 2004, in Russland gab es dagegen eine Steigerung um 20 Prozent. Die Marktanteile seien insgesamt stabil geblieben, berichtete Konzernchef Patrick Cescau. Für das laufende Jahr zeigte er sich zuversichtlich.

Bei dem Sparprogramm "One Unilever" sei das Unternehmen im Plan, bis Ende 2006 Einsparungen von 700 Millionen Euro zu erreichen. Bis Ende 2007 sollen sie sich auf eine Milliarde Euro summieren. Die operative Marge will Unilever von 13,4 Prozent im vergangenen Jahr weiter verbessern. Gegen mögliche Stellenstreichungen hatten im Dezember in Hamburg und europaweit mehrere tausend Mitarbeiter protestiert.

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