IG-Metall lockert Streik

- Berlin - Im Tarifkonflikt um die 35-Stunden-Woche im Osten hat die IG Metall am Tag vor der entscheidenden Verhandlungsrunde einen Gang zurück geschaltet.

Der Streik beim BMW-Zulieferbetrieb ZF in Brandenburg/Havel wurde am Donnerstag vorübergehend ausgesetzt. Damit beteiligten sich noch rund 7700 Beschäftigte an dem Ausstand. Bei einem Spitzengespräch in der Nähe von Berlin loteten IG-MetallChef Klaus Zwickel und Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser Kompromissmöglichkeiten aus. Ergebnisse wurden zunächst nicht bekannt.<BR>Mit der Streikpause bei ZF wollte die IG Metall vor den Verhandlungen am Freitagnachmittag ein Zeichen des "guten Willens" setzen. Wegen der Arbeitsniederlegungen bei ZF hatte BMW die Produktion der 3er-Reihe in München und Regensburg anhalten müssen. In neun anderen Betrieben in Berlin, Brandenburg und Sachsen wurde am Donnerstag weiter gestreikt. Die Forderung der Arbeitgeber, den Arbeitskampf noch vor Verhandlungsbeginn komplett zu beenden, lehnte die IG Metall abermals ab.<BR>Das Spitzengespräch zwischen Zwickel und Kannegiesser fand an einem geheim gehaltenen Ort bei Berlin statt. Auf diese Weise wollten beide Seiten vermeiden, dass vor den Verhandlungen Details nach außen dringen. Bislang waren alle Gespräche für die insgesamt 310 000 OstMetaller ohne jede Annäherung geblieben. Die Arbeitgeber lehnen die Übertragung der 35-Stunden-Woche auf die neuen Länder bislang strikt ab. Sie wollen dies allein von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Ost-Betriebe abhängig machen.<BR>Die IG Metall strebt einen Stufenplan wie in der ostdeutschen Stahlindustrie an. Dort soll die 35-Stunden-Woche nach und nach bis zum 1. April 2009 eingeführt werden. Die Gewerkschaft ist dabei auch zu flexiblen Regelungen für die einzelnen Betriebe bereit. Falls es am Wochenende jedoch keine Einigung gibt, will sie die Streiks im Osten ausweiten und in den alten Bundesländern "Solidaritätsaktionen" abhalten. Derzeit arbeiten die Beschäftigten der ostdeutschen Metallund Elektroindustrie 38 Wochenstunden, drei Stunden mehr als ihre Kollegen im Westen.<BR>Unterdessen wies IG-Metall-Verhandlungsführer Hasso Düvel Kritik am Arbeitskampf zurück. "Ein Streik soll auch Druck ausüben, und an dem Punkt sind wir jetzt", sagte Düvel im ZDF-"Morgenmagazin". Auch innerhalb der Gewerkschaft gibt es erheblichen Unmut über den Streik der Ost-Metaller. Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz forderte in der "Welt" ein sofortiges Ende des Streiks. Andere Betriebsräte im Westen stellten sich dagegen hinter den Arbeitskampf.<BR>Der Verhandlungsführer der ostdeutschen Metall-Arbeitgeber, Roland Fischer, bezeichnete die Streikbereitschaft als gering. "Die Streikbereitschaft liegt in der Größenordnung von zwischen 10 und maximal 15 Prozent", sagte Fischer im Radiosender NDR Info.<BR>Der Streik wird nach Experteneinschätzung selbst bei einer raschen Einigung die Abwanderung der Auto-Zulieferer nach Ost-Europa beschleunigen. "Der Flurschaden ist jetzt schon zu groß", sagte Ralf Kalmbach, Vize-Präsident der Unternehmensberatung Mercer, der dpa. Die Autoindustrie in den neuen Bundesländern sei ohnehin noch nicht gefestigt. "Die Branche kann solche Schläge nicht verkraften." <BR>

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