IG-Metall-Machtkampf eskaliert

- Frankfurt/Main - Der Machtkampf an der Spitze der IG Metall eskaliert zunehmend. Der designierte Gewerkschaftschef Jürgen Peters und Amtsinhaber Klaus Zwickel lieferten sich einen Tag vor einer möglicherweise entscheidenden Vorstandssitzung einen heftigen Schlagabtausch. Peters bezichtigte seine Gegner in der Gewerkschaft der "Unterstellungen und Unwahrheiten", Zwickel bekräftigte seinen Vorwurf, Vize-Chef Peters habe den Vorstand über die Tragweite der Streiks in Ostdeutschland getäuscht.

<P>Am Dienstag berät der Vorstand in Frankfurt über die Lage nach dem Streik-Debakel im Osten. Dabei könnte aus mehreren großen Bezirken ein Antrag kommen, Peters zum Rückzug von der Kandidatur aufzufordern. Ihm wird die Verantwortung für die Niederlage im Streik für die 35-Stunden-Woche im Osten angelastet.</P><P>Der Riss zwischen den beiden führenden Köpfen der IG Metall hat sich damit noch vertieft. Nur wenige Stunden nachdem Peters ihn aufgefordert hatte, die Täuschungsvorwürfe im Zusammenhang mit den Streiks im Osten zurückzunehmen, bekräftigte Zwickel sie dagegen ausdrücklich. "Der Vorstand der IG Metall wurde während der Tarifauseinandersetzung in der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie faktisch getäuscht", sagte der scheidende Chef in Frankfurt. Zuvor hatte Peters dies als "böswillig und vollkommen aus der Luft gegriffen" zurückgewiesen.</P><P>Peters zeigte sich ebenfalls kämpferisch und holte zu schweren Attacken gegen seinen alten Widersacher aus. "Klaus Zwickel ist offenbar nicht an einer Aufarbeitung der Vorgänge interessiert und will die Diskussion im Vorstand durch Vorverurteilungen präjudizieren", sagte er vor Journalisten.</P><P>"Ich werde nicht länger zusehen, wie mit Unterstellungen und Unwahrheiten daran gearbeitet wird, eine gemeinsame und schwierige Personalentscheidung im Nachgang zu korrigieren", drohte Peters mit Blick auf seine Nominierung für Zwickels Nachfolge. Er hatte sich im April gegen Zwickels Favoriten, den baden-württembergischen Bezirksleiter Bernhard Huber durchgesetzt. Die heftige Kritik nach der Streik-Niederlage im Osten hat die Chancen von Peters auf eine Wahl beim Gewerkschaftstag im Oktober nach Ansicht von Beobachtern deutlich verschlechtert.</P><P>Die derzeitige Personaldebatte solle vor allem seiner Person schaden, sagte Peters weiter. "Damit nimmt man auch in Kauf, dass die IG Metall zusätzlich und unnötigerweise in eine tiefe innerorganisatorische Krise gerät." Dafür werde auch eine Spaltung zwischen Ost und West billigend hingenommen. "Wir müssen der drohenden inneren Spaltung und dem Misstrauen in der IG Metall entgegenwirken", sagte Peters. Er selbst sei an einer schonungslosen Analyse interessiert und wolle seinen Teil dazu beitragen.</P><P>Zwickel erneuerte auch seine Kritik an dem Bezirksleiter Berlin- Brandenburg-Sachsen, Hasso Düvel. Der Vorstand habe ein flexibles Konzept mit zwei- bis dreitägigen Streiks beschlossen, betonte der scheidende 1. Vorsitzende. Faktisch sei aber ein Teil der ostdeutschen Betriebe über die gesamte Dauer des Streiks betroffen gewesen. Dies sei eine "Missachtung" des Vorstandsbeschlusses. Der Vorstand müsse nun darüber entscheiden, welche Konsequenzen daraus und aus der Niederlage in den neuen Bundesländern gezogen werden müssten.</P><P>Unterdessen zeichneten sich ab, dass die drei Vertreter des nördlichen Bezirks Küste am Dienstag voraussichtlich gegen Peters stimmen werden, verlautete in Bremen. Aus den Bezirken Nordrhein- Westfalen, Bayern oder Baden-Württemberg wurde ein Antrag gegen Peters erwartet. Dagegen wollten sich die drei Vertreter des Bezirks Brandenburg-Sachsen hinter Peters stellen. "Die Stimmungslage im Bezirk ist eindeutig pro Jürgen Peters", sagte Vorstandsmitglied Carmen Bahlo der Berliner "tageszeitung".</P>

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