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Mehr als 3000 Besucher kamen im vergangenen Jahr zur IHK-Messe Jobfit ins Münchner MVG-Museum. Auch in diesem Jahr stellen hier rund 130 Ausbildungsbetriebe rund 150 Berufsbilder und duale Studiengänge vor.

Start am 11. November

IHK-Messe Jobfit: 130 Unternehmen werben um Lehrlinge

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Am 11. November startet in München die IHK-Messe Jobfit. Wir haben mit dem Präsident der IHK für München und Oberbayern, Eberhard Sasse, gesprochen.

München - Bewerbungstraining, Foto-shooting, Styleberatung und 130 Betriebe, die rund 150 Ausbildungsberufe und duale Studiengänge vorstellen: Am Samstag, 11. November, haben Schüler und Eltern die Möglichkeit, sich auf der IHK-Messe Jobfit über verschiedene Berufe zu informieren – vom Anlagemechaniker bis zur Zahnmedizinischen Fachangestellten. Wir sprachen mit Eberhard Sasse, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern, über die Chancen, die eine duale Ausbildung bietet, und die Nachwuchssorgen in den bayerischen Betrieben.

-Die duale Ausbildung gilt im Ausland als vorbildlich. In Deutschland tun sich die Betriebe schwer, Lehrlinge zu finden. Was läuft da schief?

Das Problem ist, dass in den Elternhäusern und in den Schulen die Attraktivität der beruflichen Ausbildung immer noch hintangestellt wird. Die akademische Bildung steht an erster Stelle, das gleicht mittlerweile zum Teil einer Götzenverehrung. Begonnen hat das in den späten 1960er- und 1970er-Jahren. Damals wurde die akademische Ausbildung immer mehr in den Fokus gestellt. Heute haben wir in manchen Bundesländern eine Studienanfängerquote von über 50 Prozent. Das ist nicht gesund. Wir müssen uns bewusst machen, dass wir in der deutschen Wirtschaft beruflich qualifizierte Fachkräfte brauchen, sie sind das Rückgrat unseres Erfolges.

-Im September hat das Ausbildungsjahr begonnen. Hat sich die Situation erneut verschärft?

Wir haben ein ganz kleines Plus bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen in Oberbayern: 1,6 Prozent. Darüber kann man sich freuen, man könnte aber auch ganz nüchtern sagen: Das liegt im Bereich einer normalen Schwankung. Ich würde sagen: Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling.

-Welche Branchen haben besonders große Nachwuchsprobleme?

Der Fachkräftemangel, der bei der Ausbildung beginnt, betrifft in Oberbayern mittlerweile flächendeckend jedes Gewerk, jede Industrie, jede Branche. Es gibt schon heute Betriebe, die können keine Aufträge mehr annehmen, weil ihnen die Fachkräfte fehlen. Die übrigen Betriebe finden keine Auszubildenden. Das bedeutet: Ihnen werden morgen die Fachkräfte ausgehen.

-Was tun die Betriebe dagegen?

Die Ausbildung muss attraktiv sein. Der Lehrling darf nicht derjenige sein, der den Hof fegt und das Bier holt. Da sind die Betriebe gefordert. Sie müssen ein gutes Betriebsklima schaffen – und das auch bewerben. Wichtig ist, den Azubis früh Verantwortung zu übertragen und Perspektiven aufzuzeigen. Gerade in Oberbayern gibt es eine Reihe von Vorzeigebetrieben, bei denen das gut funktioniert. Andere müssen daran noch arbeiten. Jammern hilft da nicht, sondern aktiv werden. Auch wir als Kammer haben gemeinsam mit der Politik, anderen Verbänden und Kammern eine Initiative gestartet. Mit der Kampagne „Elternstolz“ versuchen wir den Eltern von potenziellen Auszubildenden klarzumachen: Die berufliche Ausbildung ist ein solides Fundament, auf dem man eine berufliche Zukunft aufbauen kann.

-Und das reicht?

Nein. Wir müssen zusätzlich neue Modelle schaffen – etwa für Menschen mit Migrationshintergrund, Alleinerziehende oder Menschen, die mehr Unterstützung in der Ausbildung brauchen. Hier haben wir zum Beispiel bereits Möglichkeiten zur Teilqualifizierung oder zur Teilzeitausbildung geschaffen.

-Welche Rolle spielen denn Flüchtlinge in den Ausbildungsbetrieben?

Wir haben in Oberbayern aktuell 2319 Auszubildende aus sogenannten Fluchtherkunftsländern. Seit Beginn des Jahres kamen 1157 neue Ausbildungsverträge in dieser Gruppe hinzu – das sind 6,9 Prozent aller neuen Azubis. Wenn man die Flüchtlinge herausrechnen würde, kämen wir auf ein Minus von 5,5 Prozent statt auf ein Plus von 1,6 Prozent für dieses Jahr. Ohne die jungen Leute mit Fluchthintergrund wäre die Zahl der Ausbildungsverträge also rückläufig. Deshalb appelliere ich auch an die Politik: Bürokratische Hürden müssen hier weiter abgebaut werden. Die oft unterschiedliche Handhabung zu Arbeitserlaubnis und Bleiberecht in den Landkreisen gehört vereinheitlicht.

-Bei der Messe Jobfit können sich junge Leute über verschiedene Berufe informieren. Wie viele Ausbildungsberufe gibt es denn derzeit?

Eine ganze Menge – rund 300. Bei der IHK jobfit sind knapp 130 Unternehmen vor Ort, die in 150 Berufen ausbilden.

-Im kommenden Jahr kommt ein Neuer dazu: der E-Commerce-Kaufmann. Warum wurde dieser Ausbildungsberuf geschaffen?

Weil die Welt sich verändert. Der Handel ist von der Digitalisierung besonders stark betroffen. Immer mehr Menschen kaufen im Internet ein, da müssen neue Berufsbilder geschaffen werden.

-Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt tiefgreifend. Gibt es überhaupt noch Berufe, die heute dieselben sind wie vor 20 Jahren?

Ich denke nicht. Es gibt zwar noch klassische Berufe, aber auch sie unterliegen dem Wandel. Das betrifft auch die ganz traditionellen Handwerksberufe, wie zum Beispiel den Vergolder. Ein Beruf, den es seit Jahrtausenden gibt. Aber auch er muss Kundenmanagement betreiben und seine Produkte bewerben. Das passiert heute vor allem online – mithilfe von digitalen Werkzeugen. Hier liegen aber auch enorme Chancen: So kommt es zum Beispiel, dass ein Vergolder aus Bayern eine Basilika in den USA vergoldet.

Ausbildungsmesse IHK Jobfit:

Die Ausbildungsmesse findet in diesem Jahr zum vierten Mal statt – und zwar am Samstag, 11. November, zwischen 9.30 und 15.30 Uhr im MVG-Museum, Ständlerstraße 20, 81549 München. Azubis zeigen dort Schülern, wie der Arbeitsalltag in ihren Berufen aussieht. Der direkte Kontakt zu den Unternehmen mit ihren Ausbildern und Personalchefs ist ebenfalls möglich. Teilnehmen können Schüler der Vorabschluss- und Abschlussklassen aller Mittel- und Realschulen, Gymnasien und FOS/BOS in Stadt und Landkreis München sowie ihre Eltern. Der Eintritt ist kostenlos. Unter www.ihkjobfit.de/muenchen können sich Besucher anmelden und alle Informationen zum Programm finden, darunter auch Listen der teilnehmenden Unternehmen und vorgestellten Ausbildungsberufe.

Interview: Manuela Dollinger

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