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Am Montag nahm die ARD in ihrem 'Markencheck' das schwedische Möbelhaus Ikea unter die Lupe.

Qualität, Fairness, Stressfaktor

"Markencheck": ARD nimmt Ikea unter die Lupe

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München - Am Montag lief im Ersten eine neue Folge der ARD-Reihe 'Markencheck'. Diesmal wurde der schwedische Möbel-Riese Ikea unter die Lupe genommen. Wir zeigen Ihnen die Ergebnisse.

Ikea genießt den Ruf, preisgünstige Einrichtungsstücke zu verkaufen, die einem beim Zusammenbauen teilweise viel Geduld abverlangen. Meistens jedoch sind die Produkte sehr zuverlässig und deshalb auch sehr beliebt bei den Kunden. Dabei setzt das schwedische Unternehmen darauf, dass sich die Kunden beim Einkaufen wohl fühlen sollen. Man will den Eindruck erwecken, familienfreundlich zu sein, in dem man Spielbereiche für Kinder in den Möbelhäusern integriert. Durch das größtenteils moderne Design der Einrichtungsstücke setzt man zudem auf das Prinzip, neue und schicke Möbelstücke für den kleineren Preis anzubieten.

Ikea will mehr sein, als ein einfaches Möbelhaus. Gegenüber der ARDsagt die Pressesprecherin von Ikea Sabine Nold dazu: "Die Vision, die allem zu Grunde liegt, ist die, dass wir vielen Menschen einen besseren Alltag verschaffen möchten. Es ist richtig, wir möchten mehr als ein Möbelhaus sein. Ich denke, das spürt man auch, wenn man bei Ikea unterwegs ist. Wir möchten Lösungen für Menschen anbieten."

Ikea zählt mittlerweile zu den größten Möbelhaus-Ketten weltweit. Allein in Deutschland beschäftigt der schwedische Einrichtungs-Riese über 14.400 Mitarbeiter in 47 Filialen. Das Erste hat die große Möbel-Kette mit viel Aufwand auf die Faktoren Stressfaktor, Ikea-Prinzip, Qualität und Fairness untersucht. Die Ergebnisse wurden am Montag um 20.15 Uhr in der ARD ausgestrahlt.

Die Ergebnisse

Stressfaktor: Das erste Experiment besteh daraus, dass zehn Test-Paaren jeweils 350 Euro zur Verfügung gestellt werden, die bei Ikea und einem Konkurrenz Möbelhaus (Höffner) einkaufen sollen. Danach wird den Test-Paaren die Frage gestellt: Wo war es stressiger?
Das Ergebnis zeigt, dass der durchschnittliche Stress-Pegel der zehn Test-Paare bei einem Einkauf bei Ikea höher war als bei Höffner. 

ARD-Fazit: Der Stressfaktor bei einem Ikea-Einkauf wird also unterschätzt.     

Ikea-Prinzip: Beim zweiten Test werden bereits zusammengebaute Nachttische aufgestellt, auf die jeweils 20 Frauen ein Gebot abgeben sollen. Durchschnittlich würden die Probanden 17 Euro zahlen. Im Anschluss sollen 20 weitere Frauen auf einen Nachttisch bieten, den sie jedoch selber zusammen bauen müssen. Das Durchschnittsgebot liegt diesmal bei 21 Euro. Der Test zeigt, dass der Kunde durch das eigene Zusammenbauen der Möbel eine gewisse Identifikation mit dem jeweiligen Produkt aufbaut und somit auch der emotionale Wert steigt. 

ARD-Fazit: Ikea macht uns also durch ihr cleveres „Do-it-yourself“-Prinzip zu unbezahlten Mitarbeitern.

Qualität: Der dritte Faktor, der vom ARD-'Markencheck' untersucht wird, ist die Qualität von einem wahren Ikea-Klassiker: dem Billy-Regal. Dabei fällt dem Schreinermeister Stefan Hampel auf, dass die älteren Billy-Modelle eine bessere Beschaffenheit haben als die neuere Regal-Reihe. "Die Verbindungen, die die Teile zusammenhalten sind aus Plastik. Das ist immer ein bisschen billiger als Metall.“ Sowohl die Verschraubung, als auch die Bretter der älteren Regale seien von höherer Qualität. Die Belastbarkeit der neuen Modelle habe sich über die Jahre um 40 Prozent verringert.

Der Verdacht, Ikea wolle Kosten sparen, indem man bei den Produkten einen Qualitätsverlust hinnimmt, liegt nahe. Ikea Pressesprecherin Nold jedoch behauptet das Gegenteil: "Dass heute die Bretter dünner geworden sind, hat auch damit zu tun, dass wir heute weniger Rohstoffe für das gleiche Produkt brauchen. Wir sind gerade bei Produkten, die wir schon länger im Sortiment haben, immer daran interessiert, uns zu fragen: Was können wir verbessern? Was können wir anders machen, um die Qualität zu verbessern?"

ARD-Fazit: Insgesamt muss man sagen, so das Fazit der ARD-Tester, dass die Qualität bei Ikea nicht die beste, aber absolut ausreichend ist.

Fairness: Für den letzten Punkt des ARD-'Markencheck' verschlägt es das ARD-Team nach Litauen in eine Möbelfabrik. Dort werden Produkte für Ikea hergestellt, natürlich zu niedrigen Produktionskosten. Ikea selbst behauptet , dass Fairness zu seinen Mitarbeitern und Kunden, aber auch zur Umwelt große Bedeutung habe. Es macht jedoch den Anschein, als ginge es dem schwedischen Möbel-Hersteller primär darum, möglichst billig zu produzieren. Victoras Adomaitis, Chef der litauischen Möbelfabrik bekräftigt mit seinen Aussagen diesen Verdacht. "Unsere Partner haben uns den Vorschlag gemacht, nach Weißrussland zu gehen. Und wir gehen. Wir haben verstanden, dass sonst jemand anderes einspringt." Die ARD-Mitarbeiter können schließlich tatsächlich zeigen, dass Ikea auch in Weißrussland für eine geringe Entlohnung und langen Arbeitszeiten produzieren lässt. Arbeitskräfte in einer Fabrik in Weißrussland beschweren sich vor laufender Kamera über die harten Arbeitszeiten und der ungerechten Bezahlung. 

ARD-Fazit: Die Ikea-Fairness ist zum Teil wohl nur vorgetäuscht.

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