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Die Börsenfusion zwischen Deutscher Börse und London Stock Exchange steht vor dem Aus.

Im dritten Anlauf

Fusion von Deutscher und Londoner Börse erneut vor dem Aus

Frankfurt am Main - Die geplante Fusion der Deutschen Börse und der Londoner Börse droht auch im dritten Anlauf zu scheitern. Beide Börsenbetreiber teilten am Sonntagabend mit, die EU-Kommission habe überraschend eine neue Bedingung für die Fusion gestellt - und diese will die Londoner Börse nicht erfüllen.

Es sei daher "unwahrscheinlich", dass die EU die Fusion genehmigt, hieß es von den Börsenbetreibern. Die Kurse beider Unternehmen sackten am Montagmorgen ab.

Plötzlich neue Auflagen der EU-Kommission

Die EU-Kommission prüft die geplante Fusion der beiden Börsenbetreiber seit Ende September. Vor zehn Tagen habe die Wettbewerbsbehörde den Unternehmen völlig überraschend neue Auflagen gemacht, teilten die London Stock Exchange (LSE) und die Deutsche Börse am Sonntagabend mit: Die LSE soll sich demnach von ihrer Mehrheitsbeteiligung an der elektronischen Handelsplattform MTS trennen, die spezialisiert ist auf den Handel mit europäischen Staatsanleihen.

Dies sei jedoch "außer Proportion", erklärte die LSE. Zwar trage die MTS nicht wesentlich zum Umsatz der LSE-Gruppe bei, das Geschäft in Italien insgesamt aber sehr wohl. Die Gruppe betreibt auch die Börse in Mailand.

Die LSE habe die Möglichkeiten und Folgen eines Verkaufs "gründlich" geprüft, unter anderem in Gesprächen mit den italienischen Behörden, teilte der britische Börsenbetreiber mit. Die LSE sei dabei zu dem Schluss gekommen, dass ein "zufriedenstellender" Verkauf "höchst unwahrscheinlich" sei. Er würde den Interessen des Unternehmens in Italien widersprechen. Daher werde sich LSE nicht von MTS trennen.

Es sei nun "unwahrscheinlich", dass die Kommission die geplante Fusion noch genehmigt. Die Wettbewerbsbehörde in Brüssel äußerte sich zunächst nicht.

Die LSE ist weiter von der Fusion überzeugt

Die LSE erklärte, sie werde die weitere Prüfung und die Ende März erwartete Entscheidung der EU-Kommission abwarten. Sie sei weiter überzeugt vom Fusionsplan.

LSE und Deutsche Börse waren den Wettbewerbshütern bereits entgegengekommen.Sie schlugen Anfang Februar den Verkauf des Clearinghauses LCH Clearnet vor, eine Tochter der LSE. Clearinghäuser sichern Derivategeschäfte ab, wenn entweder Käufer oder Verkäufer ausfallen. Doch diesen Verkauf, laut LSE "effektiv und sofort umsetzbar", lehnte die Kommission laut Unternehmen ab.

Der Kurs der Deutschen Börse fiel zu Handelsbeginn um knapp vier Prozent. Gegen Mittag lag er mehr als vier Prozent im Minus bei 80,21 Euro. Auch die Aktie der LSE gab bis zum späten Vormittag um 3,2 Prozent nach.

Es ist der dritte Versuch einer Fusion

Es ist bereits das dritte Mal nach 2000 und 2005, dass die beiden Börsen eine Fusion anstreben. Die Deutsche Börse hatte das Vorhaben im vergangenen März angekündigt. Der Sitz der neuen Holding sollte in London sein, Chef sollte der Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter werden. Die Pläne gerieten allerdings bereits durch das Votum der Briten für einen EU-Austritt ins Straucheln.

Bei der Deutschen Börse herrscht derzeit zudem Unruhe, weil die Staatsanwaltschaft wegen Verdachts auf Insiderhandel gegen Kengeter ermittelt. Kengeter hat den Vorwurf zurückgewiesen. Er hatte im Dezember 2015 für 4,5 Millionen Euro Deutsche-Börse-Aktien gekauft. Zwei Monate später trieb die Bekanntgabe von Fusionsgesprächen den Kurs in die Höhe. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es bereits ab Juli 2015 entsprechende Gespräche zwischen den Börsenbetreibern gegeben habe.

Die Deutsche Börse hatte im Jahr 2011 auch eine Fusion mit der NYSE Euronext versucht - ebenfalls ohne Erfolg.

afp

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