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Jens Spahn während einer Kabinettssitzung

Mediziner schlagen Alarm

Keine Herzschrittmacher für Babys mehr? Brandbrief an Spahn wegen eines unglaublichen Mangels

Baby Nelly benötigte den kleinsten Herzschrittmacher der Welt - und erhält den letzten seiner Art. Daher wenden sich jetzt Mediziner an Jens Spahn.  

Berlin - Es ist ein Brandbrief, der mit bewegenden Worten beginnt - und auf einen sehr bedenklichen Mangel hinweist. Gerichtet ist er an Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Denn offenbar mangelt es in Deutschland an lebensrettenden medizinischen Apparaten für Babys.

„Sehr geehrter Herr Bundesminister Jens Spahn, heute haben wir den letzten Schrittmacher, den wir auf Lager hatten, der kleinen Nelly mit einem angeborenen AV-Block und einer sehr langsamen Herzfrequenz implantiert“, heißt es in dem Brief. Die Geschichte dahinter: Nelly, erst wenige Stunden alt, bekam im März in der Uniklinik Homburg den letzten verfügbaren kindgerechten Herzschrittmacher eingesetzt. Der Hersteller hat die Produktion des für Babys geeigneten Gerätes eingestellt. 

Daher schlagen jetzt Mediziner und Patientenverbände Alarm. Auch das Aktionsbündnis Angeborene Herzfehler und die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie sowie der Forschungsverbund „Kompetenznetz Angeborene Herzfehler“ haben den Brandbrief unterschrieben.

Grundgesetzlich garantiertes Recht in Gefahr?

Ihren Angaben zufolge fehlt es zunehmend an kindgerechten Medizinprodukten und Arzneimitteln, die Reserven gehen demnach deutschlandweit in allen spezialisierten Zentren zur Neige. Es gebe schlicht kein Angebot für kindgerechte Produkte auf dem Markt. 

„Wir sind gesetzlich dazu verpflichtet, alles in unserer Macht stehende gegen diesen Missstand zu tun“, zitiert der Tagesspiegel Sven Dittrich, den Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie. Er sieht in Deutschland derzeit ein verfassungsmäßig verbrieftes Recht in Gefahr: Das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.

Der Brief endet mit dem Appell an alle Hersteller, kindgerechte Produkte bereitzustellen. „Mit gleicher Dringlichkeit fordern wir die politischen Institutionen dazu auf, ... für entsprechende Rahmenbedingungen zu sorgen.“ Jetzt ruht ein Großteil der Hoffnungen auf Jens Spahn (CDU), der derzeit auch beimPersonalnotstand in der Pflege gefordert ist. Eine Reaktion auf den Brandbrief habe es bislang aber noch nicht gegeben, hieß es. 

mm/tz/fn

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