Behörde besorgt

Immer Ärger mit dem Postboten? Beschwerden über die Post nehmen rasant zu

Die Deutsche Post und ihre Konkurrenten machen der zuständigen Behörde „Sorgen“: Immer häufiger kommen Beschwerden - und Briefkästen werden seltener geleert.

Berlin/Bonn - Immer mehr Kunden beschweren sich bei der Bundesnetzagentur über die Post. Im vergangenen Jahr gingen 6100 schriftliche Beschwerden ein, das waren 50 Prozent mehr als im Vorjahr, wie die Behörde am Donnerstag mitteilte. Mehr als die Hälfte der Beschwerden betrifft demnach die Briefbeförderung und -zustellung.

"Wir betrachten den starken Anstieg der Beschwerdezahlen mit Sorge", erklärte ein Sprecher der Bundesnetzagentur. Allerdings habe die Behörde vom Gesetz her keine Sanktionsmöglichkeiten, was sie gerne ändern würde: "Bußgelder wären eine Möglichkeit für uns, den Verbraucherschutz im Postbereich zu stärken."

Meiste Beschwerden über Brief- und Paket-Zustellung

Die Bundesnetzagentur kritisiert, dass von rund 111.000 Briefkästen des Marktführers Deutsche Post 56 Prozent nur noch am Vormittag geleert werden. Weil die Post auch nur noch wenige Briefkästen an Sonn- und Feiertagen leert, ist das Sendungsaufkommen an Montagen deutlich zurückgegangen. Zuerst hatte die Saarbrücker Zeitung über die Zahlen berichtet.

Nach Auswertungen der Bundesnetzagentur beschwerten sich die Verbraucher am häufigsten über Mängel bei der Zustellung von Briefen und Paketen. Ärger mit Paketen machte vergangenes Jahr etwa ein Drittel aller Beschwerden aus. Insgesamt kamen gut 1000 aller 6100 Beschwerden aus Nordrhein-Westfalen. An zweiter Stelle lag Berlin mit knapp 800 Beschwerden.

Die Beschwerdezahl ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. 2013 lag sie erst 1230, ein Fünftel des aktuellen Werts. Und das, obwohl etwa 90 Prozent aller Briefe laut TÜV-zertifizierter Messung am Folgetag zugestellt werden. Damit liegt die Post über den gesetzlichen Anforderungen.

„Veraltet und intransparent“

Keine Überraschung ist der Beschwerdeanstieg für den Deutschen Verband für Post, Informationstechnologie und Telekommunikation, der nach eigenen Angaben rund 400 Mitglieder vertritt - sowohl Postanbieter als auch Geschäftskunden, wobei die Deutsche Post nicht dazugehört. Verbraucher würden sich zunehmend direkt an die Aufsichtsbehörde wenden, statt die Beschwerdestelle der Post einzuschalten.

"Gemessen an modernem Beschwerdemanagement sind die Verfahren der Deutschen Post AG veraltet und intransparent", erklärte der Verband. Es gebe keine regionalen Ansprechpartner, die auf kurzem und direktem Weg einem Beschwerdeführer kompetent Auskunft und Hilfestellung gäben.

Der Verbraucherexperte der Grünen, Oliver Krischer, forderte von der Bundesregierung Konsequenzen. "Man muss der Post deutlich sagen, dass sie einen gesetzlichen Auftrag hat", sagte Krischer im Südwestrundfunk (SWR). Viele Menschen seien auf wichtige Briefe, etwa von Behörden, angewiesen. Notfalls müsse darüber nachgedacht werden, ob das Briefporto noch angemessen sei. Der Handlungsrahmen in diesem Fall sei groß, sagte der Grünen-Politiker.

Lesen Sie auch: Zwischenfall an Packstation - hier rastet offenbar ein DHL-Bote aus

AFP

Rubriklistenbild: © dpa

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