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Viele Lehrstellen bleiben im kommenden Jahr unbesetzt, gleichzeitig finden viele Jugendlichen keinen passenden Ausbildungsplatz.

Immer mehr Lehrstellen bleiben unbesetzt

Berlin - Die Wirtschaft ruft nach Fachkräften und kann 30.000 Lehrstellen nicht besetzen - vor allem in der Gastronomie. Doch gleichzeitig finden 76.700 Jugendliche keinen passenden Ausbildungsplatz.

Die Lage auf dem Lehrstellenmarkt bleibt trotz Verbesserungen gespalten. Wirtschaft und Staat konnten 2011 zwar insgesamt 570 140 neue Lehrverträge abschließen - 1,8 Prozent mehr als im Vorjahr. 29 600 von den Unternehmen angebotene Ausbildungsplätze blieben zum gesetzlichen Stichtag 30. September unbesetzt - so viele wie lange nicht mehr. Gleichwohl konnten aber 76 700 als ausbildungsreif eingestufte Bewerber nicht an Betriebe vermittelt werden - 9,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Dies geht aus der am Donnerstag veröffentlichten Ausbildungs-Jahresbilanz des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) hervor.

Von diesen 76 700 unversorgen Bewerbern haben inzwischen 65 100 ein Kursangebot angenommen oder ihre Schulausbildung fortgesetzt. Ihren Vermittlungswunsch haben sie allerdings gegenüber den Arbeitsagenturen ausdrücklich aufrechterhalten.

Das Bundesinstitut macht regionale aber auch berufsspezifische Probleme für die Ungleichgewichte bei der Lehrstellenversorgung verantwortlich. So kamen zum Beispiel in dem durch Ostseetourismus geprägten Arbeitsagenturbezirk Stralsund 120 Ausbildungsplatzangebote auf je 100 Nachfrager. Zu wenig Lehrstellen gibt es dagegen in Teilen des Ruhrgebietes und in Helmstedt - während im Süden der Republik die Situation eher ausgeglichen ist.

Häufig lassen sich auch die Ausbildungswünsche der Jugendlichen und die Angebote der Betriebe nicht in Einklang bringen. So kommen in der Gastronomie 124 Angebote auf je 100 Nachfrager. Auch im Lebensmittelhandwerk blieben in diesem Jahr erneut viele Lehrstellen unbesetzt. Als mögliche Gründe gelten mangelndes gesellschaftliches Image einiger Berufe, ungünstige Ausbildungsbedingungen und Bezahlung, sowie mitunter beklagte unzureichende Voraussetzungen bei den Jugendlichen.

BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser sagte, wenn die Wirtschaft auch in Zukunft ihren Fachkräftesicherung sichern wolle, sei eine „eine qualitativ hochwertige Ausbildung, attraktive Rahmenbedingungen und ein frühzeitiger Kontakt zu den Jugendlichen erforderlich“. Esser plädierte zudem für eine flächendeckende Berufsorientierung der Jugendlichen.

Aus Sicht von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) ist die Lage auf dem Ausbildungsstellenmarkt so gut wie lange nicht mehr. „Es ist gelungen, mehr jungen Menschen eine berufliche Perspektive zu geben. Wir nehmen die Nachwuchssorgen der Betriebe ebenso ernst wie unser Ziel, allen Jugendlichen die Chance auf eine betriebliche Ausbildung zu geben.“ Angaben über die Zahl der unversorgten Jugendlichen fehlen in Schavans Mitteilung.

Die Ministerin verwies insbesondere auf den Anstieg der Neuabschlüsse bei den Betrieben. So können Industrie, Handel und Verwaltungen in diesem Jahr 540 000 neue Lehrverträge vorweisen (plus 4 Prozent) - während die Zahl der vom Staat finanzierten außerbetrieblichen Plätze weiter abgebaut werden konnte.

Die DGB-Vize-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock bezeichnete die Bilanz als enttäuschend. „Die Wirtschaft hat ihre satten Gewinne aus dem Jahr 2011 kaum genutzt, um die jungen Menschen auszubilden, die bisher keine Chance hatten.“ Der IG-Metall Ausbildungsexperte Klaus Heimann sagte: „Das ist wirklich ein mickeriges Ergebnis.“ Die Chancen, mehr Jugendliche in Ausbildung zu bringen, sei von der Wirtschaft nicht genutzt worden. Heimann: „320 000 Jugendliche langweiligen sich weiterhin in Warteschleifen und drehen unsinnige schulische Ehrenrunden.“

dpa

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