Immobilien: Boom bevor die Zulage fällt

- München - Die Streichung der Eigenheimzulage wird auf dem Münchner Immobilienmarkt kurzfristig einen Boom auslösen. "Der Markt wird anspringen", sagt Claus Kiermaier, Leiter Häuser, Villen und Grundstücke der Rohrer Immobilien GmbH. Die Interessenten würden schnell kaufen, um die Eigenheimzulage mitzunehmen. Wenn die neue Regierung Vertrauen gewinne, könne sich im nächsten Jahr die Stagnation auflösen. "Nach einer für München ungewöhnlich langen Seitwärtsbewegung" könne der Immobilienmarkt 2006 in eine selbsttragende Entwicklung mit wieder steigenden Preisen einmünden.

Johannes Schneider, Vorstandsvorsitzender des Immobilienverbandes Deutschland Süd, ist weniger euphorisch. Nach zwei Versuchen glaubten viele potentielle Käufer nicht mehr an die endgültige Streichung der Eigenheimzulage und würden ihre Kaufwünsche zurückstellen.

Häuser und Wohnungen in München und im Umland waren das ganze Jahr 2005 über schwer zu verkaufen. Der Vertrieb von Eigentumswohnungen litt unter einem "schleppenden Geschäft", wie Kiermaier formuliert, die Preise sanken durchschnittlich um zehn Prozent. Im Umland war das Geschäft noch zäher als in der Stadt. Häuser verkauften sich besser, die Preise liefen seitwärts mit kleinen Abstrichen im Spitzenbereich. Sonderentwicklungen mit größeren Abschlägen sieht Kiermaier in Wohnorten oder -gebieten mit einem Generationenwechsel, wie z. B. in Grünwald.

Bei Münchner Preisen reicht die Eigenheimzulage gerade dazu, die letzte Spitze abzudecken, wenn man die Rate eigentlich nicht mehr zahlen kann. Der Wegfall werde, so gibt Schneider zu bedenken, deshalb die so genannten Schwellenhaushalte treffen, die vom Eigentum abgedrängt würden. Kiermaier rät von schnellen Kaufentschlüssen ab. "Die Eigenheimzulage mitnehmen, aber nicht kaufen wegen der Eigenheimzulage."

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