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Wer sich München nicht mehr leisten kann, zieht in die umliegenden Städte und Gemeinden – Immobilien werden daher auch dort immer teurer.  

Immobilien-Wahnsinn

Preisdruck im Münchner Umland steigt weiter

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Hohe Preise in München führen dazu, dass viele Menschen weiterhin ins Umland ziehen – mit Folgen für den Immobilienmarkt: Die Preise in sämtlichen Städten des Umlands ziehen weiter an.

München - Steigende Kaufpreise für Wohnimmobilien hat der Maklerverband IVD Süd 2016 im gesamten Münchner Umland beobachtet. Das geht aus dem gestern veröffentlichten Marktbericht hervor. Grundsätzlich bleibt es bei der Faustregel: „Das Preisniveau nimmt in der Regel ab, je weiter man sich aus dem Münchner Stadtgebiet bewegt.“ Und: Gemeinden, die einen S-Bahn-Anschluss haben, sind meist teurer als Kommunen ohne S-Bahn-Haltestelle. „Ausnahmen gibt es hier vor allem südlich der Landeshauptstadt, wo sich besonders attraktive Gegenden rund um den Starnberger See sowie Teile des Würmtals befinden“, so das Fazit der Autoren rund um den Marktforscher Stephan Kippes.

Ebersberg

Für Ebersberg gilt das nicht, Ebersberg bleibt die vergleichsweise günstigste Stadt im Münchner Umland: Der Kaufpreis für ein freistehendes Einfamilienhaus liegt in Ebersberg bei 44 Prozent des Münchner Niveaus, die Baugrundpreise für Einfamilienhäuser bei 32 Prozent, geht aus dem Marktbericht hervor. Die Preise haben trotzdem zugelegt: Bestehende Reihenmittelhäuser mit gutem Wohnwert hätten sich im Herbst 2016 verglichen mit dem Frühjahr um 5,7 Prozent verteuert, bestehende Doppelhaushälften um 3,8 Prozent. Eigentumswohnungen verteuerten sich um 4,5 Prozent. „Die Preise für freistehende Einfamilienhäuser aus dem Bestand sind stabil geblieben, ebenso die Mietpreise für Bestandswohnungen.“

Fürstenfeldbruck

Bereits deutlich höher ist das Kaufpreisniveau für Häuser in Fürstenfeldbruck. Verglichen mit München erreichen Kaufpreise in Fürstenfeldbruck bereits 55 Prozent des Niveaus in der Landeshauptstadt. Fürstenfeldbruck gehöre zu den Städten im Ballungsraum München, die in den nächsten Jahren den höchsten Bedarf an Wohnraum erwarteten, warnen die Autoren. „Die Stadt reagiert auf diese Entwicklung, indem sie Bauvorhaben bevorzugt, die zu einem möglichst überschaubaren Planungsaufwand einen großen Zugewinn an Wohnraum bringen.“

Zurzeit könne bei allen Objekttypen – das heißt sowohl bei Häusern als auch bei Eigentumswohnungen – eine sehr hohe Nachfrage beobachtet werden. Die Folge: Unter sämtlichen Kreisstädten im Münchner Umland verzeichnet Fürstenfeldbruck den höchsten Kaufpreiszuwachs bei freistehenden Einfamilienhäusern. In Zahlen ausgedrückt: Im Herbst 2016 mussten Käufer eines Hauses 5,7 Prozent mehr bezahlen als im Frühjahr. Auch Mieter spüren den Druck, die Situation bleibe angespannt. Mieter mussten im Herbst 5,5 Prozent mehr als im Frühjahr zahlen.

Erding

In Erding liegt der Preis für ein Einfamilienhaus bei 52 Prozent des Münchner Niveaus. Laut IVD kennen die Preise aber auch in Erding nur eine Richtung – sie schießen nach oben: „Trotz reger Neubautätigkeit in Erding kann die Nachfrage sowohl im Kauf- als auch im Mietmarkt derzeit nicht ausreichend bedient werden.“ Doppelhaushälften verteuerten sich binnen sechs Monaten um 6,2 Prozent, Eigentumswohnungen um 5,0 Prozent. Für Mietwohnungen mit gutem Wohnwert mussten Neumieter dem Marktbericht zufolge im Schnitt 7,6 Prozent mehr bezahlen.

Dachau

In Dachau zahlten Käufer eines Einfamilienhauses im Herbst 2016 dem Bericht zufolge 55 Prozent dessen, was Käufer in München für eine gleichwertiges Haus zahlen mussten. Ins Auge sticht in Dachau aber ein anderes Objekt: Den heftigsten Preisanstieg gab es in der Stadt bei Doppelhaushälften. 14,8 Prozent mussten Käufer im Herbst 2016 mehr bezahlen als im Frühjahr. „Angesichts der gestiegenen Attraktivität der Stadt in den letzten Jahren, unter anderem auch durch die Entwicklung zum wichtigen Wirtschaftsstandort im Münchner Umland, hat die Nachfrage nach Wohnraum in Dachau stark zugenommen“, heißt es in der Studie. Problem dabei: Die Stadt habe bisher nur vereinzelt mit „substanzieller Wohnbauaktivität“ reagiert, so der Vorwurf der IVD-Forscher.

Freising

Das Preisniveau für freistehende Einfamilienhäuser bleibt in Freising verglichen mit München hoch: 74 Prozent des Münchner Preises zahlen Käufer in Freising – Entspannung ist aber in Sicht: „Aufgrund der hohen Nachfrage und den stark angezogenen Preisen speziell bei Neubauwohnungen ist zu beobachten, dass in der Stadt einige neue Bauvorhaben in Umsetzung sind, die den Markt möglicherweise etwas entspannen werden.“ Auf dem Mietmarkt sei die Situation von einem schwachen Angebot gekennzeichnet, entsprechend sind die Mieten in Freising gestiegen.

Starnberg

Als einzige Kreisstadt im Münchner Umland zahlen Immobilienkäufer in Starnberg für ihre Häuser mehr als in München – genau genommen 15 Prozent. Aber hier scheint das Maximum erreicht zu sein, glauben die IVD-Forscher: „Nach den Höhenflügen der letzten Jahre scheinen die Preise ein Plateau erreicht zu haben.“ Denn obwohl immer noch ein erhöhter Siedlungsdruck in Starnberg zu verzeichnen sei und das Angebot stagniere, legten die Kaufpreise nur marginal zu. „Auch auf dem lokalen Mietmarkt scheinen sich die Preise langsam zu beruhigen.“

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