Rücknahme von Anteilen ausgesetzt

Immobilienfonds geht das Geld aus

München – Die Turbulenzen an den Finanzmärkten wirken sich jetzt auch auf Immobilienfonds aus. Mehrere dieser Produkte sind vorübergehend geschlossen worden. Anleger kommen für einige Zeit nicht an ihr Geld. Doch große Verluste sind deshalb nicht zu befürchten.

Zunächst hatte die Fondsgesellschaft KanAm bekannt gegeben, die beiden offenen Immobilienfonds „grundinvest“ und „US-grundinvest“ vorübergehend zu schließen. Inzwischen erklärten auch die Gesellschaften Axa („Immoselect“), TMW Pramerica („Immobilien Weltfonds“) und SEB („ImmoinvestSEBa.ST“), dass die Rücknahme von Anteilen der jeweiligen Fonds ausgesetzt sei. Die Maßnahme wurde bei allen Gesellschaften auf drei Monate befristet. Für Anleger heißt das: Sie können in den kommenden drei Monaten ihre Fondsanteile nicht an die Gesellschaft verkaufen, um an ihr Geld zu kommen. „Das ist ärgerlich, aber ein großes Verlustrisiko besteht nicht“, erklärt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift „Finanztest“. Die Stiftung Warentest rät deshalb: „Bewahren Sie Ruhe. Es ist nicht empfehlenswert, sein ganzes Geld jetzt überstürzt aus offenen Immobilienfonds abzuziehen.“

Offene Immobilienfonds sammeln Geld bei Anlegern und investieren dieses in eine Vielzahl von Immobilien. Meist sind das Gewerbeobjekte wie Bürohäuser oder Einzelhandelsimmobilien. Die Anleger profitieren von Mieteinnahmen und Wertsteigerungen dieser Objekte. Einen kleineren Teil der Anlagesumme halten die Fonds kurzfristig verfügbar. Denn die Anleger können ihre Fondsanteile grundsätzlich täglich an die Gesellschaft verkaufen. Wenn sehr viele Anleger dies gleichzeitig tun, kann diese Barreserve aber ausgeschöpft sein. Dann müsste die Fondsgesellschaft Immobilien verkaufen, um weiteres Geld zu erlösen. Doch der Verkauf einer großen Immobilie ist nicht von heute auf morgen zu bewerkstelligen oder auch nicht sinnvoll, wenn sich zum Beispiel gerade kein guter Preis am Markt erzielen lässt. Deshalb können die Fonds vorübergehend geschlossen werden. Dann bleibt ihnen Zeit, Geld verfügbar zu machen. Dies passiert derzeit.

In erster Linie sind es professionelle Anleger – etwa Dachfonds oder Vermögensverwalter –, die sich Geld besorgen, indem sie Anteile von Immobilienfonds verkaufen. Denn während die Aktienkurse im Jahresverlauf drastisch gefallen sind, stehen die Immobilienfonds gut da. Wer hier Anteile verkauft, muss derzeit – anders als bei Aktien – in der Regel keine Verluste hinnehmen. Beim Bundesverband der Investmentgesellschaften rechnet man damit, dass die Mittelabflüsse anhalten. Weitere Fondsschließungen seien wahrscheinlich, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Stefan Seip, gestern in München. „Das Problem sind die großen Anleger, die fast immer gleichgerichtet handeln.“ Deshalb denke man über neue Regelungen nach, die bei knappen Kassen der Fonds ein weniger drastisches Eingreifen als die vollständige Schließung ermöglichen. Dies könnten etwa Höchstgrenzen für Auszahlungen an Anleger sein.

Erstmals sind Immobilienfonds in Deutschland vor drei Jahren vorübergehend geschlossen worden. Vorausgegangen waren Probleme eines Fonds der Gesellschaft Deka, die dazu geführt hatten, dass Anleger massenhaft Geld abzogen. Nun sei die Situation anders, erklärte Seip. Die Produkte selbst hätten keine Probleme. Doch auch vor drei Jahren sind die drei betroffenen Fonds wieder geöffnet worden.

Wer kurzfristig auf das Geld aus einem Immobilienfonds angewiesen ist, kann entweder mit seiner Bank über einen Kredit verhandeln oder die Anteile über die Börse verkaufen. Doch hier hängt der Kurs von Angebot und Nachfrage ab – Verluste sind möglich.

von Dominik Müller

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