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In Deutschland werden weniger Wohnungen gebaut als gebraucht werden.

Mangel in großen Städten

Immobilienwirtschaft: Das muss Politik für bezahlbare Wohnungen tun

München - In Deutschlands großen Städten sind bezahlbare Wohnungen Mangelware. Die Immobilienwirtschaft kritisiert, dass sich in der Politik wenig tut, um das zu ändern.

Der Wohnungsbau in Deutschland hinkt nach Einschätzung der Immobilienwirtschaft dem tatsächlichen Bedarf nach wie vor weit hinterher. "Wir haben beim Wohnungsneubau die notwendige Trendwende noch längst nicht erreicht", sagte Andreas Ibel, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Immobilienwirtschaft. "Die Zahl der Baugenehmigungen ist im ersten Halbjahr zwar angestiegen, aber nicht einmal die Hälfte der Genehmigungen ist im Geschosswohnungsbau erfolgt."

An diesem Dienstag öffnet in München die Immobilienmesse Expo Real, bei der der Wohnungsbau ein wichtiges Thema sein wird. "Die größte Hürde für den bezahlbaren Neubau ist und bleibt die Baulandknappheit", kritisierte Ibel. "Gerade in den großen Städten werden viel zu wenig Flächen ausgewiesen." Der Anlass der Kritik: In der ersten Jahreshälfte war die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland laut Statistischem Bundesamt zwar um 26 Prozent auf 213 600 Wohnungen gestiegen - doch auf traditionelle Mietshäuser mit drei und mehr Wohnungen entfielen davon nur knapp 95.000.

Bauherren fürchten schärfere Energieverordnung

Nach Einschätzung der Immobilienverbände ist der starke Anstieg der Baugenehmigungen vor allem auf einen Sondereffekt zurückzuführen: Anfang dieses Jahres hatte der Bund die Auflagen für die Baubranche in der Energieeinsparverordnung EnEV ein weiteres Mal verschärft.

"Der wichtigste Faktor für den Anstieg der Baugenehmigungen ist der Vorzieheffekt durch die EnEV-Verschärfung im Januar 2016", sagte Ibel. Viele Bauherren hätten ihre Bauanträge vorsorglich Ende 2015 eingereicht, um den durch die Neuregelung verursachten Anstieg der Baukosten zu umgehen.

"Wir haben im Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen zahlreiche Empfehlungen erarbeitet, die nun dringend umgesetzt werden müssen", sagte Ibel. "Bisher sendet die Politik aber keine Signale, dass es nun einen Ruck geben würde. An den flankierenden Maßnahmen für den Wohnungsbau fehlt es auf allen Ebenen."

Immobilienwirtschaft fordert mehrere Maßnahmen

Die Immobilienwirtschaft hat mehrere Forderungen, um den Wohnungsbau anzukurbeln. Dazu gehört die Erhöhung der linearen Abschreibung auf die Abnutzung (AfA) von Wohngebäuden auf mindestens drei Prozent. Eine von der großen Koalition eigentlich geplante Sonderabschreibung war in Berlin an der Uneinigkeit von Union und SPD gescheitert.

"Dazu gehört auch eine bundesweite Senkung der Grunderwerbsteuer auf ein investitionsfreundliches Niveau", sagte der BID-Vorsitzende. Ibel plädierte zudem dafür, über unorthodoxe Maßnahmen nachzudenken, etwa eine "Wohnungsfreizugsprämie" für Bürger, die eine Eigentumswohnung kaufen, die sie selbst bewohnen wollen. "Schließlich wird bei jedem Umzug ins Eigenheim eine Mietwohnung frei, was wiederum den Wohnungsmarkt entlastet", sagte Ibel.

In der Bundesarbeitsgemeinschaft Immobilienwirtschaft haben sich sechs große Verbände zusammengeschlossen. Ibel ist Präsident des Bundesverbands der Freien Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) und hat den Vorsitz der Arbeitsgemeinschaft im Juli übernommen.

dpa

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