Ein Impuls, wie ihn die Welt noch nicht sah

- Die Krise ist amtlich: Das Statistische Bundesamt hat für 2003 eine Schrumpfung der deutschen Wirtschaft um 0,1 Prozent festgestellt. Hans-Werner-Sinn, Präsident des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, zeigt sich dennoch optimistisch für 2004.

<P>Zum ersten Mal seit zehn Jahren steht ein Minus vor der deutschen Wachstumszahl. Was heißt das für Ihre Einschätzung der wirtschaftlichen Lage? <P>Hans-Werner Sinn: Zwischen 0 und -0,1 Prozent gibt es keinen Unterschied. Ein Unterschied ist reine Einbildung. Hier gehen die Zahlenangaben weit über das hinaus, was man messen kann. Niemand weiß so genau, wie die deutsche Wirtschaft im letzten Jahr gewachsen ist - auch nicht das Statistische Bundesamt. <P>Für heuer erhofft man sich ein zweifelsfreies Plus für die deutsche Wirtschaft. Zurecht? <P>Sinn: Unsere Wachstumsprognose für Deutschland bleibt bei 1,8 Prozent, weil die Weltwirtschaft dramatisch anzieht. Wir sind jetzt in einer neuen Aufschwungphase, das ist jenseits jeden Zweifels. Die Amerikaner sind von einem Leistungsbilanzüberschuss in ein Defizit übergegangen, die gesamte Schwankung beträgt 700 Milliarden Dollar, das sind zwei Prozent des Weltsozialproduktes, um die der amerikanische Staat das verfügbare Einkommen der Welt vergrößert hat. Das ist ein massiver keynesianischer Konjunkturimpuls, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat. Als Reaktion darauf zieht jetzt die amerikanische Wirtschaft sehr stark an. Außerdem erstarkt Asien. Da wird auch der Rest der Welt mitgezogen. <P>Auch der Euro-Raum, der unter seiner starken Währung leidet? <P>Sinn: Die Frage ist, wie stark die Abkopplungswirkung durch den hohen Eurokurs sein wird. In unseren Umfragen haben die Unternehmen 1,30 Dollar als kritische Marke angegeben. Dann müsste man die Prognosen revidieren. Aber bislang glaube ich nicht, dass wir das tun sollten. <P>Das Gespräch führte Dominik Müller. <P></P>

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