Indiskretion um die Postbank: Ackermann hat schweren Stand

- Frankfurt - Josef Ackermann hat sich nach vielen Verhandlungstagen im Mannesmann-Prozess daran gewöhnen müssen, Stunden lang ruhig zu sitzen. Jetzt nahmen ihn aber nicht Staatsanwälte ins Verhör, sondern die Aktionäre der Deutschen Bank. In den vergangenen Wochen hagelte es Kritik am größten deutschen Finanzhaus, selbst Gerüchte über mögliche Nachfolger von Ackermann machten die Runde. Der 56-jährige Vorstandssprecher war also gewarnt.

<P>An Vorwürfen ließen es die Redner aus den Reihen der rund 5000 Aktionäre dann auch nicht fehlen. Zahlen top, Image flop - auf diesen Nenner könnte man die zahlreichen Wortbeiträge bringen. Es gab Lob für die wieder gewonnene Ertragsstärke der Bank nach einer umfassenden Restrukturierung, die allein in den vergangenen beiden Jahren weltweit fast 19 000 Stellen gekostet hat. <BR><BR>Die Pannenserie im Zusammenhang mit dem Börsengang der Postbank, bei dem die Deutsche Bank Konsortialführer ist, habe das Image des größten deutschen Finanzhauses beschädigt, so Aktionärsschützer. "Der Mangel an Führung und an Einheitlichkeit im Auftreten ist nach innen und nach außen schädlich", sagte Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Ackermann wies die Vorwürfe zurück.<BR><BR>Mit Blick auf die Strategie der Bank gebe es zwischen Aufsichtsrat und Vorstand "nicht die geringsten Abweichungen", sagte Ackermann. Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger hielt dem entgegen, der Einfluss der in London angesiedelten Investmentbanker auf die Ausrichtung der Bank sei nicht transparent. "Die operativen Erfolge der Bank werden getrübt durch Ansehensverluste in Deutschland. Wir vermissen die Führung des Vorstandssprechers."<BR><BR>Ackermann räumte ein, dass es durch den Fehler eines seit 15 Jahren für die Deutsche Bank tätigen Mitarbeiters zu einer Indiskretion beim Postbank-Börsengang gekommen sei. Dabei war eine vorläufige Bewertung an die Öffentlichkeit gelangt, die deutlich niedriger als die von der Postbank-Mutter Deutsche Post genannte Summe lag. Ein angebliches Übernahmeangebot für die Postbank wollte Ackermann offiziell nicht bestätigen. Er betonte jedoch, dass die Deutsche Bank "zu keiner Zeit" unter politischem Druck gestanden habe. DSW-Vertreter Nieding warf Ackermann mit Blick auf den Postbank-Börsengang ein "amateurhaftes, dilettantisches" Verhalten vor. "Das hätte es unter früheren Vorstandssprechern nicht gegeben."<BR><BR>Grundsätzlich sei die Deutsche Bank auch an Akquisitionen interessiert, sagte Ackermann. Von ihrer Seite seien aber in den vergangenen Monaten keine Fusionsgespräche begonnen worden. Die Bank solle organisch wachsen und dort zur Weltspitze gehören. "Wir sind nicht die Citigroup. Wir sind die Deutsche Bank mit einer ganz anderen Aufstellung." Man sei allerdings auch handlungsbereit, falls es in der europäischen Bankenlandschaft zu einer plötzlichen Konsolidierung komme. Ackermann betonte, er sei zuversichtlich für die weitere Geschäftsentwicklung. Im ersten Quartal 2004 hatte die Deutsche Bank ihr Ergebnis vor Steuern auf 1,561 Milliarden Euro versechsfacht.<BR><BR><BR></P>

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