"Industrie ist nicht ganz unschuldig"

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Herr Professor Höhn, in Deutschland gibt es 4,5 Millionen Arbeitslose, gleichzeitig fehlen 15 000 Ingenieure. Was läuft falsch?

Bernd-Robert Höhn: Das Problem ist, dass die Universitäten den Bedarf an Ingenieuren derzeit nicht decken können. Das liegt zum einen daran, dass in der Industrie immer mehr Ingenieure gebraucht werden, weil der Anteil hoch qualifizierter Mitarbeiter an der Belegschaft gestiegen ist.Zum anderen hatten wir in den Jahren 1995 bis 2000 nur wenige Studienanfänger. Und diese schwach besetzten Jahrgänge machen jetzt ihre Abschlüsse.

Warum werden die jungen Leute lieber Schauspieler, Designer oder Werber anstatt Ingenieur?

Höhn: Das Interesse an einem Ingenieursstudium hat wieder deutlich zugenommen. An der TU München bewerben sich derzeit mehr Schulabgänger um die 800 Plätze, die wir aufnehmen können. Die geringe Studentenzahl Mitte und Ende der 90er-Jahre hatte sich ergeben, weil die Unternehmen 1993 einen kompletten Einstellungsstopp verhängt hatten. Das sprach sich schnell herum und daraufhin ließ das Interesse deutlich nach. 1995 schrieben sich nur noch 270 Studenten im Maschinenwesen an der TU ein.

Die Industrie, die jetzt klagt, hat den Mangel also selber zu verantworten?

Höhn: Ein bisschen schon. Ich glaube jedenfalls, dass es nicht noch einmal einen kompletten Einstellungsstopp geben wird.

Der Verein deutscher Ingenieure (VdI) prophezeit, dass jedes Jahr 2000 Ingenieure mehr fehlen. Geht die Lücke trotz der wieder anziehenden Zahl von Studienanfängern weiter auseinander?

Höhn: Die könnte eintreten. Wir müssen auf jeden Fall weiter für den Ingenieursberuf werben. Denn manche anderen Hochschulen wie etwa Bochum und Magdeburg haben bei den Studentenzahlen noch nicht wieder aufgeholt.

Es heißt, Deutschland darf teuer sein, weil es technisch erste Sahne ist. Wenn sich der Ingenieursmangel fortsetzt - sind wir dann nur noch teuer?

Höhn: Wir brauchen Ingenieure zum Umsetzen von Ideen und Innovationen. Darauf baut der Wohlstand in Deutschland auf. Wir haben kein Öl und keine anderen Rohstoffe. Wir leben von unseren Köpfen und dem Export hochwertiger Produkte. Doch High-Tech ist ohne Ingenieure nicht denkbar.

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