Industrie will 40-Stunden-Woche ohne Ausgleich

- Hamburg - Die deutsche Wirtschaft fordert rasches Handeln für den Standort Deutschland und nimmt dabei die 35-Stunden-Woche ins Visier. "Die 35-Stunden-Woche war ein Irrweg, den wir schleunigst revidieren müssen. Deutschland braucht eine generelle Verlängerung der Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich", forderte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, in der Tageszeitung "Die Welt". Auch Siemens-Chef Heinrich von Pierer rügte die 35-Stunden-Woche im "Spiegel" als "die reinste Vergeudung von Wissen".

 <P>Wansleben betonte, der Übergang zu längeren Arbeitszeiten würde die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen auf den Weltmärkten steigern. Die Arbeitszeiten müssten aber nicht nur länger, sondern auch flexibler werden. "Der Arbeitsanfall pro Arbeitsplatz kann im Jahresverlauf sehr stark schwanken. Arbeitszeitkorridore, die längere Arbeitszeiten ohne Überstundenzuschlag ermöglichen, würden helfen, die Produktionsschwankungen ohne Mehrkosten zu bewältigen."</P><P>Siemens-Chef Von Pierer betonte den Standortnachteil durch hohe Arbeitskosten. "An Stelle von 2000 deutschen Software-Entwicklern kann ich in China zu gleichen kosten 12 000 einstellen." Der deutsche Stundensatz von "vielleicht 80 Euro" werde nahezu von allen Wettbewerbern überboten. Dabei gebe es keinen Unterschied zwischen beispielsweise Handys aus europäischer Fertigung oder aus Schanghai, sagte er dem Nachrichtenmagazin.</P><P>In China seien 2600 Arbeitsstunden pro Jahr und Mann die Regel, in Deutschland 1500, sagte von Pierer. "Die Schlichte Wahrheit ist: Wir haben hohe Kosten und wir haben einen hohen Lebensstandard, den wir nach Möglichkeit erhalten wollen. Also brauchen wir einen Vorsprung - und zwar einen Vorsprung durch Innovation." Auf politischer Ebene benötige Deutschland "nicht formell, aber de facto eine Art Große Koalition zwischen den Volksparteien".</P>

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