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Peter Bauer gibt wegen seiner Osteoporose-Erkrankung den Chefposten von Infineon auf.

Krankheit zwingt den Infineon-Retter zum Rückzug

Neubiberg - Wie schmerzlich der Rückzug von Peter Bauer für Infineon ist, kann man nur verstehen, wenn man sich erinnert, in welcher Situation er das Ruder beim Neubiberger Chiphersteller übernommen hat.

Damals im Jahr 2008 nannte man Infineon nur den „Intrigantenstadel“ der deutschen Wirtschaft. Bei der ehemaligen Halbleitersparte von Siemens bekämpften sich die Manager gegenseitig und häuften Milliardenverluste an. Die Speicherchiptochter Qimonda ging pleite und auch Infineon selbst stand nur einen Schritt entfernt vom Abgrund. An der Börse waren die Aktien des Unternehmens weniger als einen Euro wert, kaum ein Analyst traute dem Konzern noch eine Zukunft zu. Doch dann kam Peter Bauer und riss das Ruder herum.

Jetzt geht der Retter. Wegen einer Osteoporose-Erkrankung muss der 51-Jährige seinen Posten als Vorstandsvorsitzender bei Infineon zum Ende des Geschäftsjahres am 30. September vorzeitig aufgeben. Seit Jahren leidet Bauer an der Knochenkrankheit, schon mehrere Rückenwirbel hat er sich gebrochen. Zur Behandlung der Krankheit ist viel Bewegung nötig, doch dafür fehlte dem Dax-Manager die Zeit. Außerdem muss Bauer für Infineon ständig lange Flüge in alle Welt absolvieren. Einen großen Teil seiner Umsätze macht Infineon in Asien, auch die meisten Produktionsstätten befinden sich dort. Doch jeder Flug wurde zur Tortur. Auch deshalb hört Bauer nun auf. „Diese Entscheidung fällt mir sehr schwer“, sagte er. „Wegen des ungewissen Verlaufes meiner Krankheit habe ich mich jedoch aus Verantwortung gegenüber meiner Gesundheit, meiner Familie und gegenüber dem Unternehmen zu diesem Schritt durchgerungen.“ Trotzdem wirkt er mit sich im Reinen: „Ich bin mir meiner Entscheidung sicher“, sagte er am Montagabend.

Wer Bauer erlebt hat weiß, wie schwer ihm der Rückzug fällt. Bauer ist Techniker, hat an der TU München Elektrotechnik studiert, bevor er zu Siemens ging. Wenn er über die Leistungsfähigkeit seiner Chips spricht, kommt er nicht selten ins Schwärmen. Bei Pressekonferenzen, wenn es eigentlich nur um die nackten Zahlen geht, hat er oft eine der glänzenden Siliziumscheiben dabei, um zu zeigen, womit Infineon das Geld verdient.

Dass Infineon heute gut dasteht und auch die letzte Krise ohne großen Einbruch durchschifft hat, verdankt der Konzern Bauers konsequenter Ausrichtung auf vier Geschäftsfelder, Bereiche mit stark schwankenden Absatzzahlen hat er verkauft. Insbesondere die Konzentration auf den Automobilmarkt hat Infineon in den vergangenen Jahren Wachstum beschert und stabiler gemacht.

Dass man bei Infineon den von Bauer eingeschlagenen Kurs fortsetzen möchte, zeigt die Wahl von Bauers Nachfolger. Reinhard Ploss war schon seit 2007 im Vorstand von Infineon und dort für Produktion, Entwicklung, Technik und Personal verantwortlich. Nun rückt der 56-Jährige an die Spitze des Konzerns. „Ich stehe zu der Strategie, die wir gemeinsam entwickelt haben“, sagte Ploss gestern. Der künftige Vorstandschef soll keinen Nachfolger bekommen, der Vorstand wird nach Bauers Rückzug von vier auf drei Manager verkleinert.

Philipp Vetter

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