Infineon-Chef Ziebart legt Amt nieder

München - Nach einem Milliardenverlust im ersten Quartal und wochenlangen Querelen über den künftigen Kurs des Unternehmens nimmt Infineon-Chef Wolfgang Ziebart seinen Hut.

Der Manager gebe seinen Posten zum 1. Juni "aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die zukünftige strategische Ausrichtung des Unternehmens" auf, teilte Infineon am Montagabend in München mit. Neuer Vorstandssprecher werde der für das Auto- und Industriegeschäft zuständige Vorstand Peter Bauer. Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley sei einstimmig das Vertrauen ausgesprochen worden. Um die Schwierigkeiten in den Griff zu bekommen, kündigte Infineon außerdem ein weiteres Sparprogramm an.

Infineon schreibt seit mehreren Quartalen hohe Verluste, vor allem wegen Qimonda. Die Tochter, an der Infineon 77,5 Prozent hält, hat unter dem Preisverfall bei Speicherchips zu leiden. Alleine von Januar bis März verlor Infineon unter dem Strich so 1,37 Milliarden Euro. Der Konzern will sich deshalb bis zur Hauptversammlung Anfang nächsten Jahres von seiner Mehrheit an Qimonda trennen. Das Unternehmen hatte kürzlich angekündigt, sich von jedem zehnten Mitarbeiter trennen zu wollen.

Infineon will unter anderem die Herstellungskosten weiter drücken und das Unternehmen straffer organisieren. Nähere Angaben zu den geplanten Einschnitten und Veränderungen im Rahmen des "IFX 10-Plus" genannten Programms machte das Unternehmen zunächst nicht. Einzelheiten würden in den nächsten Wochen erarbeitet und definiert, hieß es. Infineon beschäftigt nach eigenen Angaben weltweit rund 43 000 Mitarbeiter, davon etwa 13 500 bei der Tochter Qimonda.

Der neue Chef Peter Bauer werde sich zunächst darauf konzentrieren, bereits bestehende Sparpläne abzuarbeiten beziehungsweise diese im Rahmen des neuen Programms zu erweitern, teilte Infineon mit. "Wenn wir uns mit unseren Ressourcen noch stärker fokussieren und die notwendigen Maßnahmen kompromisslos und schnell umsetzen, dann sehe ich gute Chancen für eine erfolgreiche Zukunft", sagte Bauer laut einer mitteilung. Bauer ist seit der Ausgliederung von Infineon aus dem Siemens-Konzerns im Jahr 1999 Vorstandsmitglied bei Infineon.

Die Probleme im operativen Geschäft hatten zuletzt zu einem Machtkampf an der Infineon-Spitze geführt. So soll Kley Medienberichten zufolge die Ablösung Ziebarts betrieben haben. Uneinig sollen sich die beiden vor allem in der Frage gewesen sein, ob sich Infineon mit dem niederländischen Wettbewerbers NXP zusammentun sollte. Ziebart war dem Vernehmen nach dagegen, Kley dafür.

In Presseberichten hatte es zuletzt geheißen, der Finanzinvestor KKR wolle seine Chiptochter NXP bei Infineon einbringen. Im Gegenzug würde KKR über eine Kapitalerhöhung an Infineon mit einem Anteil zwischen 40 und 50 Prozent beteiligt. Analysten hatten eine Fusion mit NXP aber als unwahrscheinlich eingestuft, da beide Unternehmen auf unterschiedlichen Gebieten tätig sind.

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