Infineon: Geduldsprobe auf Ziebarts langem Weg

München - Nach den Turbulenzen um Ex-Chef Ulrich Schumacher waren die Aktionäre des Münchner Chipherstellers Infineon froh über die solide Arbeit von dessen Nachfolger Wolfgang Ziebart. Doch inzwischen steht der Vorstandsvorsitzende unter Druck. Den Aktionären geht nach jahrelanger Verlustschreiberei die Geduld aus.

Eine dreiviertel Stunde lang stand Wolfgang Ziebart vor gut 2500 Aktionären seines Unternehmens, redete über DRam-Preise, Scheibenfertigung und Wechselkurse, über Wachstum und Sanierung, und bewirkte damit nur eines: nichts.

Mit eisigem Schweigen hörten die Infineon-Anteilseigner auf der gestrigen Hauptversammlung am Münchner Messegelände die Ausführungen ihres Vorstandsvorsitzenden an. Selbst Ziebarts Credo - "Nichts schafft langfristig mehr Wert als eine erfolgreiche Sanierung" -, das jahrelang für wohlwollenden Applaus gut war, löste keine Zustimmung mehr aus. Vielen Aktionären ist das Projekt Infineon ein Stück zu langfristig angelegt.

Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley hatte zuvor zusammengefasst, wie sich die Lage des Unternehmens darstellt: Von "Krisenzeiten" sprach er, von "völlig unbefriedigenden Zahlen" und von der Forderung nach einem "Mehr an Leistung". Ziebart blieb nichts anders übrig, als einzugestehen, dass die Ergebnisse nicht das Niveau erreicht hätten, das man sich wünsche. Wie seit Jahren schreibt der Konzern Verluste, im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres waren es fast 400 Millionen Euro.

Hauptgrund der Misere ist das Tochter-Unternehmen Qimonda mit seinem heiklen Speicherchip-Geschäft. Das will Infineon so schnell wie möglich loswerden, sitzt aber noch auf 77,5 Prozent der Anteile und weiß nicht, wo es die abladen soll. Auch der starke Euro liegt Infineon auf der Tasche, beklagte Ziebart. Steigt der Kurs zum Dollar um einen Cent, koste das Infineon pro Jahr acht Millionen Euro beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern. Denn Halbleiter werden überwiegend in Dollar abgerechnet, doch die Kosten fallen für Infineon zu einem großen Teil in Euro an. Ziebart vertröstete die Aktionäre: "Ich bin sicher, wir sind auf dem richtigen Weg, aber der Weg ist weiter, als wir dachten." Das spiegelt sich auch im Aktienkurs wider, der bei rund 5,70 Euro liegt - nicht weit über dem Tief aus dem Jahr 2002.

Auch bei der Besetzung des Vorstandes hatte Infineon zuletzt kein Glück. Der als Finanzvorstand angeheuerte Rüdiger Günther musste nach nur vier Monaten im Amt wegen "nicht zu überbrückender Differenzen" gehen und erhielt dafür zwei Millionen Euro, 1,2 Millionen davon als Abfindung. "Wer hat denn diesen Vertrag unterschrieben?", ätzte ein Aktionär in Richtung des Aufsichtsrats. Christoph Öfele von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger kritisierte zudem eine Regelung, derzufolge die Vorstände Anspruch auf Zahlung ihres Gehalts bis Vertragsende hätten, falls sie im Zuge einer Übernahme von Infineon den Konzern verlassen würden. Es sei nicht akzeptabel, in einem solchen Fall den Vorstand mit einem Freibrief nach Hause zu schicken. Er wollte Ziebart und seinen Kollegen die Note "4 minus" geben. Verena Brendel von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz warnte: "Infineon macht es den Aktionären schwer, nicht die Geduld zu verlieren."

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