Infineon: Harte Zeiten für alle

- München - Bei Infineon brechen harte Zeiten an - für alle. Die Aktionäre hatten vor der heutigen Hauptversammlung düstere Geschäftsprognosen zu verdauen, den Mitarbeitern wird wohl Stellenabbau verkündet, der Vorstand bereitet das Unternehmen auf einen Branchen-Abschwung vor und mehrere Aufsichtsräte werden von Aktionärsvertretern attackiert.

Das Geschäft mit Halbleitern läuft wieder schlechter. Infineon hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2004/05 "einen Rückgang in den meisten unserer Segmente verzeichnet, einen sich weiterhin deutlich abschwächenden Markt sowie eine geringere Nachfrage unserer Kunden", bilanzierte Vorstandschef Wolfgang Ziebart. All dies führte dazu, dass das Unternehmen gegenüber dem Vorquartal mit 1,82 Milliarden Euro neun Prozent weniger umsetzte. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern stieg nur wegen eines Sondereffektes von 113 auf 211 Millionen Euro. Diese Zahlen hatte das Unternehmen vorzeitig bekannt gemacht und damit seine Aktionäre nicht beunruhigt. Doch nun kam ein Ausblick dazu, den zum Beispiel das Bankhaus Sal. Oppenheim als "sehr düster" bewertete.<P>Im zweiten Quartal werde es einen anhaltenden Nachfragerückgang im Markt geben, außerdem würden Umsatz und Ergebnis "weiterhin rückläufig sein". Der Kurs der Infineon-Aktie rutschte gestern zeitweise um über drei Prozent unter sieben Euro. Ziebart kündigte an, die Kosten im laufenden Geschäftsjahr um 200 Millionen Euro zu drücken. Stellenabbau sei nicht ausgeschlossen.<P>Das Geschäft mit Glasfasern, dessen Verkauf vor wenigen Wochen geplatzt ist, soll saniert werden. Dabei werden auch Arbeitsplätze gestrichen. Die Sparte hat 1200 Beschäftigte, 350 davon in Deutschland. Wie viele davon abgebaut werden, wird Ziebart wohl auf der Hauptversammlung verkünden.<P>Dabei werden die Aktionäre auch die Wahl des Aufsichtsrats aufmerksam beobachten. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger wirft Aufsichtsrats-Chef Max Dietrich Kley vor, sich mit mehreren Kandidaten "eine Hausmacht von befreundeten und abhängigen Personen aufzubauen". Sie wendet sich gegen die Wahl von Kley und vier weiteren Kandidaten für den Aufsichtsrat. Außerdem weigert sich Infineon nach IG-Metall-Angaben immer noch, die Vorstandsbezüge einzeln aufzuschlüsseln. Andere Dax-Unternehmen haben sich dazu in den vergangenen Monaten entschieden. </P>

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