Wohin steuert das Unternehmen?

Infineon-Hauptversammlung: „Eher Übernehmer als Übernommener“

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München - Wachstum bei Umsatz, Ergebnis und Marge: Hinter Infineon liegt ein erfolgreiches Jahr. Dafür gibt es viel Lob von den Aktionären, die schon ganz andere Zeiten mit Infineon erlebt haben. Die Frage ist nun: Wo steuert der bayerische Halbleiterhersteller hin, nachdem in der Branche das Übernahmefieber ausgebrochen ist?

Es ist unbestritten: Infineon-Chef Reinhard Ploss hatte einen guten Riecher. 2014 übernahm das Halbleiterunternehmen aus Neubiberg den US-Konkurrenten International Recitifier (IR). Mit dem Zukauf löste Infineon eine Übernahmewelle in der Halbleiterbranche aus. Ein regelrechter Bieterwettkampf brach aus. Die Preise stiegen. „Diese Entwicklung hat Infineon vorhergesehen und frühzeitig gehandelt“, sagt Ploss. Heute zeige sich im Rückblick: „Der Kauf von International Recitifier war die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt.“

Das sehen auch die rund 2800 Aktionäre so, die am Donnerstag zur Hauptversammlung ins Internationale Congress Center (ICM) in München gekommen sind. Es gibt viel Applaus für die Vorstandmitglieder Dominik Asam und Arunjai Mittal – aber vor allem für Ploss und seinen „kühlen Kopf“. „Wir sind sehr zufrieden mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr – auch mit der Integration von International Recitfier, der größten Akquisition in der Unternehmensgeschichte“, sagt Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). „Ein schlauer, strategischer Schachzug“, lobt ein anderer Aktionär. Auf einen Schlag hatte Infineon nach der Übernahme des US-Rivalen 4200 neue Mitarbeiter. Wie erfolgreich die Integration des US-Unternehmens, die mittlerweile so gut wie abgeschlossen ist, war, kann man auch an den Geschäftszahlen ablesen. Bei Infineon stieg der Umsatz im vergangenen Jahr um 34 Prozent auf knapp 5,8 Milliarden Euro. Einen großen Teil (16 Prozent des Wachstums) trug das zugekaufte Unternehmen bei.

Reinhard Ploss ist seit 2012 Vorstandsvorsitzender bei Infineon. Bei dem Halbleiterhersteller mit Sitz in Neubiberg bei München arbeiten weltweit 35.500 Menschen.

Die guten Geschäfte spiegeln sich auch im Aktienkurs und der Entwicklung der Dividende wieder. Die Infineon-Aktie stieg seit Oktober 2014 um 33 Prozent – zum Vergleich: Der Dax musste im gleichen Zeitraum ein Minus von drei Prozent hinnehmen. In den vergangenen Monaten ging es zwar etwas bergab – das sei allerdings kein Infineon-spezifisches Problem, sondern den Marktschwankungen geschuldet, sagt Finanz-Chef Asam. Zumal es seit der vergangenen Woche auch wieder bergauf geht. Die Dividende steigt entsprechend von 18 auf 20 Cent je Aktie. Damit hat sich die Gewinnbeteiligung der Aktionäre seit 2010 bei Infineon verdoppelt.

Soweit der Blick zurück. Mehr Sorge bereitet den Aktionären die Zukunft. „War International Recitifier der Startschuss für eine Einkaufstour?“, will Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) wissen. „Sind Sie am Ende selbst ein Übernahmekandidat“, schiebt Daniel Bauer nach.

Die Frage ist: Wo steuert Infineon hin? Seit Monaten gehen Gerüchte um. Demnach hat Infineon Interesse am japanischen Halbleiterhersteller Renesas Electronics. Im Fokus steht auch Fairchild Semiconductor, Übernahmekandidat aus den USA. Da Infineon keinen Ankeraktionär hat, der eine Übernahme erschweren würde, wird auch gemutmaßt, ob die Neubiberger am Ende selbst aufgekauft werden könnten.

Zu den konkreten Spekulationen schweigt Ploss zwar, betont aber: „Wir sehen uns eher in der Position eines Übernehmers als eines Übernommenen.“ Grundsätzlich verfolge Infineon eine organische Wachstumsstrategie, die durch Zukäufe komplementiert werden solle, so Ploss. Akquisitionen kämen aber nur in Frage, wenn sie in jeder Hinsicht zu Infineon passen. „Wir scannen kontinuierlich den Markt, halten aber nichts von Aktionismus, sondern bewahren einen kühlen Kopf.“ Geld wäre zumindest grundsätzlich vorhanden, betont Finanzvorstand Asam: „Grob kann man sagen, dass wir in der Lage wären, bis Ende dieses Geschäftsjahres eine Akquisition mit einem Unternehmenswert von gut zwei Milliarden Euro ohne Kapitalerhöhung zu stemmen“, sagt er.

Nach den Erfolgen 2015 hat sich Infineon auch ambitionierte Ziele für das laufende Geschäftsjahr gesetzt. Der Umsatz soll um 13 Prozent steigen (plus/minus zwei Prozent), der operative Gewinn soll bei rund einer Milliarde Euro liegen. Als Marge visiert Infineon 16 Prozent an – dem schwächelnden Smartphone-Markt und Konjunktursorgen in China zum Trotz. „Der aktuelle Auftragseingang sowie die langfristigen Wachstumstreiber in allen Geschäftsbereichen stimmen uns zuversichtlich“, sagt Ploss.

Dabei ist das Reich der Mitte für Infineon der größte Absatzmarkt. Zuletzt machte der Halbleiterhersteller dort 23 Prozent des Umsatzes (rund 1,3 Milliarden Euro). Auch wenn die Weltwirtschaft gerade unter der abflauenden Konjunktur in China leide, Infineon sei gut gerüstet, betont Infineon-Chef Ploss dennoch. Das liege auch daran, dass ein großer Teil der Halbleiter, die Infineon nach China liefere, für Produkte bestimmt sind, die von dort wieder exportiert werden sollen. Deshalb hänge das Geschäft von Infineon nicht so stark von der chinesischen Binnenkonjunktur ab. Entsprechend verspricht Ploss seinen Aktionären: „Infineon wird das angepeilte Ergebnis erreichen.“

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