Infineon: Korruptionsverdacht gegen Manager hat sich erhärtet

- München - Nach den ersten Ermittlungen hat sich der Korruptionsverdacht gegen den ehemaligen Infineon-Vorstand Andreas von Zitzewitz erhärtet. Das Unternehmen prüft, ob Schadensersatzansprüche gegen den zurückgetretenen Top-Manager geltend gemacht werden. Von Zitzewitz selbst wollte sich nicht äußern.

"Nach vorsichtiger Bewertung der bisherigen Ermittlungsergebnisse hat sich der Verdacht der Zahlungen bestätigt", teilte der leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld mit. Bei Durchsuchungen in 15 Objekten in Deutschland und der Schweiz "konnte eine Vielzahl von Unterlagen sichergestellt werden, deren Auswertung noch längere Zeit in Anspruch nehmen wird", hieß es. Es seien sowohl die Beschuldigten als auch mehrere Zeugen vernommen worden.Zu den Zeugen zählt auch der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Infineon, Ulrich Schumacher, unter dessen Führung der Konzern umfangreiches Motorsport-Sponsoring betrieben hat. Schumacher sei noch nicht vernommen worden, "da er sich im Urlaub befand".Die Staatsanwaltschaft geht dem Verdacht nach, ob von Zitzewitz und der ehemalige Infineon-Manager Harald Eggers zwischen 2002 und 2004 Schmiergeldzahlungen für die Vermittlung von Sponsoren für Motorsport-Veranstaltungen kassiert haben. Demnach handelt es sich um Beträge von 259 000 Euro, die von Zitzewitz erhalten haben soll, und 50 000 Euro, die an Eggers geflossen sein könnten. Der Strafrahmen erlaubt bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe. Das gilt auch für den mutmaßlichen Zahler, den Präsidenten der Sponsoring-Firma BF-Consulting, Udo Schneider. Der hat bestritten, dass es sich um Schmiergelder handele. Es seien Provisionszahlungen gewesen. Ob der jeweilige Empfänger dazu berechtigt war, müsse die Staatsanwaltschaft beurteilen.Wie diese Zeitung aus Unternehmenskreisen erfuhr, stand Schneider bereits im Frühjahr 2004 hinter entsprechenden Vorwürfen gegen von Zitzewitz. Dies führte zu einer Untersuchung des Präsidialausschusses im Aufsichtsrat von Infineon. Dabei habe man trotz "fundierter Rechtsberatung" durch eine Anwaltskanzlei keine Beweise gefunden. Von Zitzewitz habe die Vorwürfe bestritten. Deshalb habe die Untersuchung keine Konsequenzen für ihn gehabt, sagte der Insider. "Man kann jemand ja nicht verurteilen ohne Beweise. Warum haben die Leute, die heute ihre Beweise offenbar auf den Tisch legen, damals geschwiegen?"Der Aufsichtsrat von Infineon hat den Rücktritt des bisherigen Leiters der Speicherchip-Sparte angenommen. "Im Interesse des Unternehmens war eine schnelle Entscheidung notwendig" sagte der Vorsitzende des Gremiums, Max Dietrich Kley. Das Unternehmen bestätigte, dass Vorstandschef Wolfgang Ziebart "bis auf weiteres" die Führung des Speicher-Geschäfts übernimmt. "Eine laufende Untersuchung mit diesen Vorwürfen ist eine große Belastung, ein Rücktritt insofern konsequent", erklärte Ziebart. "Unabhängig von diesem Fall bin ich generell der Ansicht, dass ein Vorstand in besonderer Weise eine Verpflichtung hat, vorbildlich zu handeln. Es müssen Konsequenzen gezogen werden, wenn er oder sie diesem Anspruch nicht gerecht wird."Ein Unternehmenssprecher deutete auch mögliche Schadensersatz-Forderungen des Konzerns gegen von Zitzewitz an. Er erklärte, der gesamte Vorgang werde geprüft und gegebenenfalls würden "entsprechende Maßnahmen" eingeleitet. Die Belegschaft sei "empört, enttäuscht und wütend", berichtete der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, Klaus Luschtinetz. Von Zitzewitz selbst wollte sich auf Anfrage dieser Zeitung nicht zu den Vorwürfen äußern. Dies könne vielleicht Sinn machen, "wenn das Ganze aufgeklärt ist". Am ersten Börsentag nach Bekanntwerden der Affäre lag die Infineon-Aktie zeitweise rund 1,5 Prozent im Minus. Dies sei aber im Einklang mit anderen Halbleiter-Werten, sagte Günther Hollfelder, Analyst der HypoVereinsbank. Er erwarte durch die Korruptionsaffäre "keine großen Auswirkungen" auf das Unternehmen.

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