Infineon liebäugelt mit Abspaltung der Speichersparte

- München - Gut ein Jahr lang blieb es ruhig um die Speichersparte des Münchner Halbleiter-Konzerns Infineon. Jetzt haben alte Gerüchte neue Nahrung bekommen: Das Geschäft mit den "DRams", das extremen Marktschwankungen unterliegt, könnte abgespalten werden. Infineon liebäugelt mit einem Börsengang des Segments im Herbst. Das betrifft tausende Mitarbeiter auch in Deutschland.

Von den drei Säulen des Infineon-Geschäfts ist die Speichersparte mit die größte, aber auch die wackligste. Der Konzern macht 40 Prozent seines Geschäfts mit den Speichern, die Automobil- sowie Industrieelektronik kommen ebenfalls auf 40 Prozent und das Kommunikations-Segment trägt 20 Prozent bei. Das Ergebnis der Speichersparte schwankt jedoch extrem. Mal Milliardengewinn, dann Milliardenverlust - je nach Entwicklung der Preise für die Speicherchips lässt sich in dem Bereich Geld verdienen oder verlieren. Das macht Investoren nervös. Deshalb war die Trennung von der Sparte schon vor gut einem Jahr ein Thema für Infineon. Damals entschied man sich aber dagegen. Die Speicher gehörten zum Kerngeschäft, hieß es zur Begründung.Vorstandschef Wolfgang Ziebart könnte seine Meinung nun ändern. Er lässt dem Vernehmen nach Abspaltungs-Szenarien durchspielen. Ende Juli soll der Aufsichtsrat eingeschaltet werden. Im September oder Oktober könnte Infineon die Speicherchips an die Börse bringen, hieß es in Branchenkreisen. Entschieden ist noch nichts. Alternativ wäre ein Verkauf der Sparte an eine Investmentgesellschaft oder die Kooperation mit einem Konkurrenten in dem Bereich denkbar. Der Konzern schweigt ("Spekulationen kommentieren wir nicht") und genießt: Die Aktie setzte zum Kurssprung an. Mit zwischenzeitlich fast fünf Prozent plus auf gut acht Euro stand das Infineon-Papier gestern an der Dax-Spitze. Vielen Anlegern gefällt offenbar der Gedanke, dass Infineon seine Speicher - zumindest teilweise - abgeben könnte."Ohne die DRams könnten die anderen Infineon-Sparten höher bewertet werden. Zudem könnte das Unternehmen seine Mittel dort gezielter einsetzen", urteilt Jürgen Wagner, Analyst des Bankhauses Sal. Oppenheim. "Ein reiner Börsengang dürfte im derzeitigen Umfeld allerdings schwierig werden", glaubt er. Wahrscheinlicher sei, dass man sich nach einem Partner umschaue, mit dem das Geschäft in einem Gemeinschaftsunternehmen betrieben wird. Dafür würde sich das taiwanesische Unternehmen Nanya anbieten, mit dem Infineon bereits eine Kooperation unterhält und das die Produktionstechnologie der Münchner benutzt. "Das wäre ein Börsengang über das Vehikel Nanya", beschreibt der Analyst. Denn die Taiwaner sind ebenfalls börsennotiert. Für die Mitarbeiter würde das nach Wagners Einschätzung keine Nachteile nach sich ziehen. Es ginge insbesondere darum, durch die größeren gemeinsamen Stückzahlen die Kosten zu senken.Wie viele der weltweit 36 000 Infineon-Mitarbeiter in der Speichersparte tätig sind, gibt der Konzern nicht an. In Deutschland ist das Werk Dresden mit 5500 überwiegend im Speicherbereich Beschäftigten der wichtigste Standort des Segments.Speicherprodukte - hier im Werk Dresden - könnten bald nicht mehr zum Infineon-Geschäft gehören.

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