Infineon lockt neuen Chef mit guten Halbjahres-Zahlen

- München - Zum Gruppenbild zog Infineons Not-Vorstand Max Dietrich Kley seine Kollegen an sich. "Das Unternehmen wird nicht nur von einer Person geleitet", verkündete er und pries die Teamarbeit bei dem Münchner Chip-Hersteller - nach dem Sturz von Ulrich Schumacher. "Es gibt kein Vakuum in der Unternehmensführung." Trotzdem soll es schnell gefüllt werden. Zwei Kandidaten für den Vorstandsvorsitz, den er "so kurz wie möglich und so lange wie nötig" behält, will Kley gefunden haben. Die Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres dürften potenziellen Nachfolgern Mut machen.

<P>"Die Suche läuft sehr erfolgreich", berichtete Kley über das Projekt Schumacher-Nachfolge. Er wolle eine Lösung "bestenfalls Anfang Juli" haben, spätestens soll der Neue im September anfangen. Der wird ein Deutscher sein und im Halbleitergeschäft erfahren, allerdings nicht bei Infineon. "Wenn ich dem Aufsichtsrat einen internen Kandidaten vorschlagen würde, bräuchte ich ja nicht zu suchen", formulierte Kley. Außerdem soll sich der künftige Chef mit Restrukturierungen auskennen. Seine Hauptaufgabe steht auch schon: "Erwirtschaftung einer angemessenen Rendite."<BR><BR>Die - widergespiegelt im Aktienkurs - gefällt Kley gar nicht an seinem Konzern. "Wir stehen durchaus sehr solide da", sagte Finanzvorstand Peter Fischl. "Aber wir sind mit dem Ergebnis nicht zufrieden." Der Umsatz stieg im zweiten Jahresabschnitt gegenüber dem Vorquartal um drei Prozent, der Gewinn vor Steuern und Zinsen blieb in etwa stabil, teilte das Unternehmen mit.<BR><BR>Das war besser als von Analysten erwartet. Trotzdem rutschte die Infineon-Aktie im Tagesverlauf mit über fünf Prozent ins Minus. Die Produktionskosten für Speicherchips seien zu hoch, hieß es, aber auch von Gewinnmitnahmen war die Rede. Kley nannte die Aktienkursentwicklung in der Vergangenheit "äußerst unbefriedigend", wollte das aber nicht als Grund für den Rücktritt von Schumacher verstanden wissen. Dieser habe "persönliche Gründe", wiederholte Kley.<BR><BR>Für die zweite Hälfte des Geschäftsjahres stellte der Aushilfs-Chef "solides Wachstum und ein positives Ergebnis" in Aussicht. Das Unternehmen solle die Aktionäre davon "überzeugen, dass wir mehr können". Vor allem strebt Kley ein Weniger an - ein Weniger an Kosten. "Nach wie vor arbeiten wir daran, die Steuerlast zu reduzieren. Aber eine Verlagerung des Standortes planen wir nicht", sagte er. Wohl aber kommt die Verlagerung von Unternehmensteilen ins günstigere Ausland in Frage. Dieser Prozess werde "selektiv weitergehen".<BR><BR></P>

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