Infineon macht bei seiner eigenen Zerschlagung Tempo

- München - Als Infineon-Chef Wolfgang Ziebart und Vorstandsmitglied Kin Wah Loh zwei silbergraue Schiebetüren auseinanderzogen, flackerten die Blitze der Fotografen auf. Abzulichten gab es zwischen zwei strahlenden Managern einen lila Klecks-Schriftzug: "Qimonda". So heißt künftig die Speicherchip-Sparte, die bislang 40 Prozent des Gesamtumsatzes von Infineon beisteuert und ab 1. Mai ein eigenständiges Unternehmen sein wird. Das wird womöglich schon vor dem Sommer an die Börse gehen - allerdings nicht in Deutschland.

Es ist wie bei den russischen Matroschka-Holzpuppen: Aus dem großen Siemens-Konzern schlüpfte einst das Halbleiter-Geschäft, das als Infineon an die Börse ging. Zu schwankungsanfällig, fand Siemens. Und aus Infineon schlüpft nun das Speicherchip-Geschäft, das als Qimonda ziemlich sicher auch bald an die Börse gehen wird. Zu schwankungsanfällig, findet Infineon.

Allerdings drückt sich Vorstandschef Ziebart anders aus: "Zwei fokussierte Unternehmen werden am Markt erfolgreicher sein", sagt er über Infineon, das künftig ausschließlich so genannte Logikchips herstellt, und Qimonda, das bei den Speichern bleibt. Als Spezialisten auf getrennten Gebieten könnten sich beide besser ihren Kunden anpassen sowie Investoren und Mitarbeitern ein klareres Profil bieten. Die Anleger spielen bald eine besondere Rolle. Mit der Abspaltung bleibt Infineon hundertprozentiger Eigentümer der neuen Firma. Doch das soll sich ändern.

"Wir wollen das Unternehmen möglichst schnell in die Unabhängigkeit entlassen", kündigte Ziebart an. Man beabsichtige nicht, für lange Zeit mehr als 50 Prozent an Qimonda zu halten. Der Abbau der Beteiligung soll schon über einen Börsengang geschehen. Zwar müsse dazu der Aufsichtsrat eine entsprechende Entscheidung treffen - mutmaßlich Ende April. Doch sei ein Börsengang nach wie vor die bevorzugte Lösung. Zu Ort und Zeit äußerte sich Ziebart nur vage.

"Man wird nicht das Sommerloch dafür nutzen", sagte er. Es könnte also schnell gehen, wenn man sehr sportlich ist, heißt es in Finanzkreisen - zumal die Abspaltung in vier Wochen zwei Monate früher als geplant vollzogen wird und nach Einschätzung des Infineon-Chefs derzeit die drei wichtigsten Faktoren "okay" seien: die Stimmung für Börsengänge, die Lage im Speichermarkt und die Stärke von Qimonda im Vergleich mit der Konkurrenz. An einem geeigneten Börsenplatz müssten auch andere Speicherchip-Unternehmen notiert sein, damit ein Markt für dieses Segment entstehen könne. Damit sei Deutschland "wahrscheinlich nicht bevorzugter Ort" für einen Börsengang. Und das könnte irgendwann auch für den Hauptsitz des Unternehmens mit 12 000 Mitarbeitern (4700 davon in Deutschland) gelten.

Zwar wird auch Qimonda als Aktiengesellschaft nach deutschem Recht im Campeon südlich von München seine Zentrale haben. Doch gab weder Ziebart noch Loh, der Vorstandschef von Qimonda wird, auf lange Sicht ein klares Bekenntnis zum Standort ab. Historisch sei München der Hauptsitz, erklärte Kin Wah Loh. Aber: "Dies ist ein globales Geschäft." Es sei schwer zu sagen, wo sich das Hauptquartier in der Zukunft befinde. Und Ziebart fügte hinzu, man brauche viele regionale Hauptquartiere auf der Welt.

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