Infineon: Mit Millionen-Mitgift abgeblitzt

- München - Im Osten war für die Beschäftigten des Infineon-Werks München-Perlach ein Hoffnungsschimmer aufgegangen. Der Erfurter Halbleiterhersteller X-Fab zeigte Anfang August überraschend Interesse an der Münchner Produktionsstätte, für die Infineon schon die Schließung verkündet hatte.

Nun haben sich die düsteren Wolken über dem Werk wieder zugezogen. X-Fab hat seine Pläne aufgegeben. Trotz Mitgift von Infineon und Zugeständnissen der Mitarbeiter sind die Arbeitsplätze in Perlach wohl nicht zu retten. Die IG Metall will Infineon jetzt zu einem Sanierungstarifvertrag drängen - notfalls auch mit einem Streik.

Infineon hatte sich zur Schließung des Werks entschieden, weil die Anlage aus Sicht des Konzerns nicht langfristig rentabel zu führen ist. Die Kapazität zu gering, die Kosten zu hoch - so lautete das Todesurteil für den Standort, an dem 800 Infineon-Beschäftigte arbeiten. Nachdem der Betriebsrat den Kontakt zu X-Fab hergestellt hatte, keimte Hoffnung auf ein neues Leben in Perlach auf. Zumindest 600 Mitarbeitern hätte das Erfurter Halbleiter-Unternehmen einen Arbeitsplatz bieten sollen.

Nach mehrwöchigen Verhandlungen trafen sich nach Informationen dieser Zeitung Infineon-Chef Wolfgang Ziebart und der X-Fab-Vorstandsvorsitzende Hans-Jürgen Straub in der vergangenen Woche in Erfurt. Dabei soll Ziebart eine großzügige Mitgift geboten haben. Die Münchner hätten die Auslastung der Werks-Kapazität für drei Jahre garantiert und einen mittleren bis hohen zweistelligen Millionenbetrag draufgelegt.

 "Ziebart wollte es wirklich machen", heißt es in Belegschaftskreisen. Auch die Mitarbeiter scheuten nicht vor einem Kraftakt zurück. Sie hätten ohne Lohnausgleich 40 statt 35 Stunden pro Woche gearbeitet und einer Umstellung von fünf auf vier Schichten zugestimmt, was etwa 100 Stellen gekostet hätte.

Dennoch sagte X-Fab nun ab. "Es hat sich herausgestellt, dass die wirtschaftlichen und strukturellen Defizite in Perlach zu groß sind", erklärte Vorstandschef Straub. Das Werk Perlach hätte die Kapazität der Erfurter um 40 Prozent gesteigert. Ein solcher Wachstumsschub wäre für das Unternehmen mit 1000 Mitarbeitern schwer zu stemmen gewesen. Zudem liegen die Standortkosten in Perlach weit höher als in Erfurt. "Wir hätten das Werk Perlach gern als Halbleiterstandort fortgeführt und sind dafür an die Grenzen der Möglichkeiten gegangen, die wir vertreten konnten", erklärte Straub.

Die 800 Infineon-Mitarbeiter müssen sich nun darauf einstellen, bis Anfang 2007 gekündigt zu werden. Nur wenige Beschäftigte werden auf eine andere Stelle innerhalb des Konzerns ausweichen können. Am 27. September beginnen Verhandlungen zwischen Belegschaftsvertretern und Geschäftsleitung. Die IG Metall will das Werk durch Zugeständnisse der Mitarbeiter retten. Dafür habe eine Studie der Universität Göttingen Anhaltspunkte aufgezeigt, die der Betriebsrat in Auftrag gegeben hatte, erklärte Michael Leppek von der IG Metall.

Das Infineon-Management hat einen Weiterbetrieb bereits mehrfach ausgeschlossen. Die IG Metall will das nicht akzeptieren. Wenn die Verhandlungen scheitern sollten, werde man vor einer Urabstimmung und einem Streik nicht zurückschrecken, sagte Mathias Sommerfeld von der IG Metall in München.

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