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Gute Bilanz, gute Laune: Infineon-Chef Reinhard Ploss (Mitte) mit den Vorstandsmitgliedern Dominik Asam (links) und Arunjai Mittal (rechts).

Florierende Geschäfte

Mit Smartphone und Kühlschrank: Digitalisierung beflügelt Infineon

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München - Bei Infineon herrscht Hochstimmung, die Digitalisierung sorgt für florierende Geschäfte. 2016 will der Chiphersteller weiter wachsen – mit Hilfe neuer Technologien für Smartphones, Autos und Kühlschränke.

Der Münchner Chiphersteller Infineon hat sich vom Pleitekandidaten zum Börsenliebling gemausert. Nach turbulenten Zeiten ging es in den vergangenen Jahren stetig bergauf. Gestern wartete die Infineon-Aktie schließlich mit einem wahren Kurssprung auf. Die Papiere schnellten zeitweise um fast 15 Prozent in die Höhe auf über 13,30 Euro. Zuvor hatte Infineon-Chef Reinhard Ploss eine Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr vorgelegt, die weit besser ausfiel als erwartet. Nach einem starken Schlussquartal (siehe Grafik) konnte Infineon Umsatz, Gewinn und Marge steigern. Der Umsatz stieg um 34 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro, der Jahresüberschuss von 535 Millionen Euro im Vorjahr auf 634 Millionen. Die Marge konnten die Münchner von 14,4 auf 15,5 Prozent steigern.

„Wir sind in allen vier Segmenten gewachsen und arbeiten nachhaltig profitabel“, erklärte Ploss. Der einstige US-Rivale International Rectifier, den Infineon im Vorjahr übernommen hatte, sei erfolgreich integriert worden. Die Befürchtung, dass sich Kosten aus der Übernahme im Ergebnis bemerkbar machen würden, hat sich nicht bewahrheitet. Bei der Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr will das Management der Hauptversammlung im Februar entsprechend eine um 2 Cent auf 20 Cent gestiegene Ausschüttung je Aktie vorschlagen.

Infineon: Übernahmen gehören zur Strategie

Zu Übernahmegerüchten, die derzeit in der Branche kursieren, äußerte sich Ploss nur verhalten. Grundsätzlich würden Übernahmen zur Strategie von Infineon gehören. Eine Aquisition, nur um möglich Angreifer abzuwehren, werde es aber nicht geben, betonte Ploss. Für das Geschäftsjahr 2016 erwarte er erneut Wachstum bei Umsatz, Ergebnis und Marge. Avisiert ist ein Umsatzplus von 13 Prozent (plus/minus zwei Prozentpunkte) sowie eine Gewinnmarge von 16 Prozent.

Seinen Optimismus kann Ploss gut begründen: zum Beispiel anhand der Automobilbranche, dem größten Kunden von Infineon. Das passende Anschauungsobjekt hatte Infineon gestern im Foyer des Hauptsitzes, am Campeon in Neubiberg, aufgestellt. Eine Mercedes S-Klasse ohne Motorhaube, Sitze und Armaturenbrett. Halbleiter in Wert von 600 bis 700 Euro stecken in dem Wagen, einem Serienfahrzeug. Rund 20 Prozent kommen von Infineon. An der Stoßstange sind eine 360-Grad-Kamera und eine Nachtsichtkamera montiert, mehrere Sensoren rund ums Fahrzeug bilden ein Radarsystem. 77 Geräte steuern in der S-Klasse die Elektronik – und es werden immer mehr.

Momentan stecken im Schnitt Halbleiter im Wert von 338 Dollar in einem Auto. Ist das autonome Fahren erst einmal Realität, werden es rund 700 Dollar pro Fahrzeug sein, schätzt Ploss.

Infineon: Wachstumsmöglichkeiten auch in anderen Bereichen

Doch nicht nur in der Automobilbranche sieht der Infineon-Chef Wachstumsmöglichkeiten. In allen Bereichen, in denen die Digitalisierung Einzug hält, wittert er potenzielle Absatzmärkte. Halbleiter seien das entscheidende Bindeglied zwischen digitaler und der realer Welt, so Ploss. Ein Beispiel: Kühlschränke. Hier will Infineon einen Inverter (Umrichter) einbauen, der dafür sorgt, dass der Kühlschrank bis zu 30 Prozent weniger Strom verbraucht und weniger störende Geräusche verursacht.

Ein weiterer potenzieller Milliardenmarkt: Ein Drucksensor, der winzigste Luftdruck-Unterschiede registriert und so die Höhe auf Zentimeter genau bestimmt. Der Sensor, der nur wenige Millimeter misst, kann in Smartphones, Fitnessarmbänder oder Uhren eingebaut werden – und so zum Beispiel den Höhenunterschied beim Wandern bestimmen. Mit dem Sensor könne ein Smartphone aber auch erkennen, wenn jemand stürzt und einen Notruf auslösen, sagt Ploss. Momentan ist der Sensor, der in Neubiberg entwickelt wurde, bei den Herstellern der Endgeräte – zu Testzwecken. Infineon fährt die Produktion währenddessen bereits hoch. Die Münchner sind sich sicher: Drucksensoren stecken bald in vielen Geräten.

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