Infineon: Ringen um Abfindung für Ex-Chef

- München - Der Münchner Technik-Konzern Infineon wird wohl künftig die Bezüge seiner Vorstände einzeln ausweisen. Das könnte auch den ehemaligen Chef Ulrich Schumacher betreffen. Denn dessen Vertrag als Konzernlenker wurde bislang nicht aufgelöst. Er kassiert weiter sein Gehalt. Offenbar streiten der Ex-Vorstandsvorsitzende und das Unternehmen noch um die Höhe der Abfindung.

<P>Nach dem Abtritt Schumachers Ende März übernahm Aufsichtsrats-Chef Max Dietrich Kley für etwa fünf Monate die Leitung des Konzerns. Für diese Zeit will Kley - entgegen der bisherigen Praxis bei Infineon - seine Bezüge offen legen, kündigte er gegenüber der Wochenzeitung "Die Zeit" an. Es deutet sich an, dass der Konzern unter seinem neuen Chef, Wolfgang Ziebart, weitere Schritte in Richtung Transparenz macht und die Vorstandsbezüge künftig einzeln ausweist. In der nächsten Aufsichtsratssitzung werde über das Thema Offenlegung gesprochen, erklärte Kley.<BR><BR>Das könnte auch Ex-Chef Schumacher betreffen. Dessen Vertrag läuft bis 2007 und wurde bislang nicht aufgelöst. Wie diese Zeitung aus unternehmensnahen Kreisen erfuhr, ringen Infineon und Schumacher wohl um die Höhe der Abfindung für den Ex-Manager.<BR><BR>Abfindungen sind ein Reizthema, wie zuletzt der Mannesmann-Prozess zeigte. Bei Infineon muss der Präsidialausschuss des Aufsichtsrates darüber befinden: Max Dietrich Kley, sein Stellvertreter Martin Kohlhaussen und der Gesamtbetriebsrats-Vorsitzende Klaus Luschtinetz. Sie dürften Wert darauf legen, dem wegen zweifelhaften Führungsstils geschassten Manager keine zu hohe Summe zuzusprechen. Schumacher wiederum dürfte mehrere Millionen Euro fordern. <BR><BR>Sein festes Gehalt lag 2003 um die 600 000 Euro. Entscheidend dürfte aber der variable Anteil sein. Der war - für den Vorstand insgesamt - mehr als doppelt so hoch wie das Fixgehalt. Legt man dies zu Grunde, könnte Schumacher für 2004 bis 2007 insgesamt über sieben Millionen Euro beanspruchen. Als Schumacher kürzlich in den Verwaltungsrat der Schweizer Esmertec eintrat, musste er sich vorher die Zustimmung von Infineon holen - wie es sein Vertrag vorsieht. Hätte der Aufsichtsrat diese nicht erteilt, hätte man nun wohl ein Druckmittel im Abfindungs-Poker.<BR><BR>Aktionärsschützer kritisieren, dass über ein halbes Jahr nach Schumachers Abtritt noch kein Auflösungsvertrag geschlossen wurde. "Das ist sehr merkwürdig. Normalerweise geht so was in zwei Monaten", erklärte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Sie werde den Vorgang auf der nächsten Hauptversammlung hinterfragen und "dann überlegen, welche Konsequenzen ich daraus ziehe". Dies könne bis zur Nichtentlastung des Aufsichtsrates gehen.<BR></P>

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