Infineon: Risikobereite Investoren für die Speicherchip AG gesucht

- Infineon steht nach einem Verlustjahr vor dem massivsten Strategiewechsel seiner jungen Unternehmensgeschichte. Das Management sieht in einer Teilung des Chipkonzerns mehr Chancen als Risiken.

Der vor seiner Zweiteilung stehende Münchner Halbleiterkonzern Infineon schreibt rote Zahlen. Nach 61 Millionen Euro Jahresüberschuss in der Periode zuvor verbuchten die Bayern im Anfang Oktober zu Ende gegangenen Geschäftsjahr 2004/05 rund 312 Millionen Euro Defizit, wie Konzernchef Wolfgang Ziebart sagte. Aktuell sieht er wegen Umsatzzuwächsen eine Tendenz nach oben. Ob das laufende Geschäftsjahr aber wieder Gewinne bringt, wollte er bei der Bilanzvorlage nicht abschätzen.

42 Prozent vom Umsatz sollen an die Börse

Das Minus 2004/05 geht zum einen auf hohe Sonderlasten auch wegen der Schließung von Fabriken wie dem Stammwerk in München-Perlach mit 800 Mitarbeitern zurück, sagte Ziebart. Dazu habe Infineon als Zulieferer unter der Talfahrt der inzwischen von Siemens aufgegebenen Handy-Sparte gelitten. Im Geschäft mit Speicherchips, das Infineon Mitte 2006 vom Mutterkonzern abspalten will, habe man trotz 30-prozentigem Preisverfall voriges Jahr 122 Millionen Euro Betriebsgewinn und damit zum dritten Mal in Folge schwarze Zahlen erzielt. Vom 2004/05 um sechs Prozent auf 6,8 Milliarden Euro geschrumpften Konzernumsatz entfallen 42 Prozent auf diese Speicherbausteine.

Hoch defizitär war 2004/05 dagegen das im Mutterkonzern verbleibende Geschäft mit Logikchips für die Telekommunikation mit 295 Millionen Euro Betriebsverlust. Hier würden trotz technologischer Erfolge noch fünf bis sieben Quartale rote Zahlen anfallen, sagte Ziebart. Profitabel ist das zweite verbleibende Standbein von Infineon. Das sind Logikchips für die Hersteller von Automobilen und andere Industriekunden.

Die Trennung von Speicherchips, die per Börsengang erfolgen soll, sei nicht aus der Not geboren, sondern im technologischen und marktmäßigen Auseinanderdriften beider Konzernteile begründet, sagte Ziebart. Er ist zuversichtlich, risikobereite Investoren für die künftige Speicherchip AG begeistern zu können. Wie lange und in welchem Umfang Infineon daran beteiligt bleibt, ließ er ebenso offen wie Ort und Zeit des geplanten Börsengangs. Alternativen wie Verkauf oder Fusion der Speichersparte plane man derzeit nicht.

Beide Konzernteile hätten getrennt bessere Entwicklungschancen. Erlöse aus dem Börsengang, die Experten auf drei Milliarden Euro schätzen, sollen teils in das bleibende Logikgeschäft der Mutter, auch für Zukäufe, gesteckt werden. Ein Bedeutungsverlust von Infineon oder ein Ausscheiden aus dem Dax soll so verhindert werden. Auch Stellenabbau bringe die Spaltung des Konzerns nicht, betonte Ziebart. In der Produktion werde Infineon aber künftig verstärkt auf Auftragsfertigung bei Partnern setzen. Zum Übernahmekandidaten schrumpfe sein Konzern durch die Teilung nicht. Sie biete dem Konzern und seinen 36 400 Beschäftigten mehr Chancen als Risiken.

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