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Musste gegen zornige Aktionäre anreden: Infineon-Aufsichtsratsvorsitzende Max Dietrich Kley bei der Aufsichtsratssitzung in München.

Infineon: Schallende Ohrfeige für den Aufsichtsrat

München  - Die Aktionäre des kriselnden Chipherstellers Infineon haben die Hauptversammlung für eine Generalabrechnung mit Aufsichtsrat und früherem Management genutzt. Investoren und Aktionärsschützer kündigten an, ihnen die Entlastung zu verweigern.

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Der Aufsichtsrat und die frühere Unternehmensführung bekamen den Zorn der Anteilseigner zu spüren. “Ich zeige dem Aufsichtsrat und dem früheren Vorstand die Rote Karte. Für diese Misere erhalten sie von uns keine Entlastung“, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die Aufsichtsräte hätten zu spät auf Sparmaßnahmen gedrungen und eine “verfehlte Personalpolitik“ unterstützt, beklagte sie.

Der neue Vorstandschef Peter Bauer verkündete einen Jahresverlust von 3,12 Milliarden Euro. Die immer wieder in Aussicht gestellte Besserung sei nicht so eingetreten, wie man sich das das vorgenommen habe, gestand er ein. Bauer sagte, er könne verstehen, dass viele Aktionäre mit Wut im Bauch gekommen seien.

Offene Wut der Aktionäre

Die äußerte sich teils deftig: “Ich pack den ganzen Aufsichtsrat in einen Sack und hau drauf, dann treff ich sicher nicht den Falschen“, sagte ein Kleinaktionär unter Applaus. Im Zentrum der Kritik stand der Aufsichtsratsvorsitzende Max Dietrich Kley. Aktionärsvertretrin Bergdolt forderte seinen Rücktritt: “Machen Sie den Platz frei für junge energische Entscheidungsträger, die dieses Unternehmen retten.“ Kley trage für die wirtschaftliche Misere des Unternehmens besondere Verantwortung, sagte Hans-Christoph Hirt, Vertreter der britischen Fondsgesellschaft Hermes. 

Die Aufsichtsräte hätten zu spät auf Sparmaßnahmen gedrungen und eine “verfehlte Personalpolitik“ unterstützt, beklagte Bergdolt. Die Zahlungen an den früheren Vorstand Wolfgang Ziebart, der noch heute 70 Prozent seines Gehaltes beziehe, seien angesichts der trüben wirtschaftlichen Lage des Unternehmens “unanständig“.

Wird dem Vorstand oder Aufsichtsrat eines Unternehmens die Entlastung von der Hauptversammlung verweigert, hat dies vor allem eine Signalwirkung. Eine unmittelbare Rechtsfolge wie den Rücktritt der Nichtentlasteten gibt es aber nicht. Lothar Gries, Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger bezeichnet es aber als "schallende Ohrfeige". Es führe häufig zum Rücktritt des Betroffenen. Ihm sei kein Fall bekannt, in dem das unter den Teppich gekehrt worden sei.

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