Infineon schließt Glasfaser-Standorte

- München - Draußen schneite es, drinnen war die Stimmung frostig. Auf der Hauptversammlung des Halbleiterherstellers Infineon in der Münchner Olympiahalle riefen die Aktionäre Ex-Chef Ulrich Schumacher ihren Unmut nach und forderten vom Management schnelle Erfolge. Vorstands-Chef Wolfgang Ziebart verkündete die Schließung von Glasfaser-Standorten - unter anderem in München-Perlach. Kündigungen sind nicht ausgeschlossen.

<P class=MsoNormal>Infineon macht drei Standorte dicht, an denen Glasfaseraktivitäten betrieben werden. Neben Longmont in den USA sind dies München-Perlach mit etwa 50 Beschäftigten und Berlin mit 280 Mitarbeitern. Damit betreibt Infineon fast kein Glasfaser-Geschäft mehr in Deutschland. Die Verhandlungen mit den Betriebsräten über die Umsetzung des Stellenabbaus laufen seit gestern. Ein Teil der Mitarbeiter soll in andere Unternehmensbereiche übernommen werden, sagte Vorstands-Chef Ziebart. Betriebsbedingte Kündigungen sind aber auch nicht ausgeschlossen. Die Fertigung, wo der Großteil der bislang 1200 Beschäftigten tätig ist, findet in Tschechien statt. Auch dort dürfte es noch zu Stellenabbau kommen. Die Restrukturierung der Glasfaser-Aktivitäten ist mit den Standort-Schließungen nicht beendet - und auch nicht mit dem Verkauf von Teilen der Sparte an Finisar.</P><P class=MsoNormal>Ursprünglich sollte das US-Unternehmen die gesamte Sparte kaufen, dann wurde ein entsprechender Vertrag gekündigt und nun übernimmt Finisar keine Mitarbeiter, aber einen Teil der Maschinen, Lagerbestände und des geistigen Eigentums - etwa Patente oder Markenrechte - im Gesamtwert von knapp 50 Millionen Dollar (etwa 38 Millionen Euro).</P><P class=MsoNormal>Aktionäre kritisierten die schwache Kurs-Entwicklung von Infineon. Das Papier hat in den vergangenen zwölf Monaten fast 40 Prozent an Wert verloren und notierte auch gestern zeitweise mit etwa 1,4 Prozent im Minus bei 6,90 Euro. Ein Vertreter von Deutschlands größter Fondsgesellschaft, DWS, sprach von "vielen hausgemachten Problemen". Riskante Investitionen hätten Schäden verursacht, für die die Aktionäre nicht länger bezahlen wollten. Willi Bender von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger wandte sich gegen die Nominierung mehrerer Aufsichtsräte. Sie seien über Funktionen in anderen Unternehmen vom Aufsichtsrats-Vorsitzenden Max Dietrich Kley abhängig. "Wir wollen einen Aufsichtsrat, der effizient ist und nicht durch kollegiales Verhalten oder Rücksichtnahmen gefiltert wird." Auch Audi-Vorstands-Chef Martin Winterkorn wurde von Aktionären kritisiert. Er hat im Rahmen seines Mandats nicht einmal an der Hälfte der Aufsichtsrats-Sitzungen von Infineon teilgenommen.</P><P class=MsoNormal>Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz warf dem Management vor, zu reagieren, statt zu agieren, und so im Wettbewerb ins Hintertreffen zu geraten. Für den neuen Vorstands-Chef Wolfgang Ziebart hatte sie ein freundliches Wort übrig: "Lieber wird Infineon von einem echten Vollblut-Manager geführt als von einem Amateur-Rennfahrer", sagte sie in Anspielung auf Ulrich Schumacher, der im Frühjahr 2004 das Unternehmen verließ (siehe Kasten).</P><P class=MsoNormal>Ziebart betonte, dass 2005 ein schwieriges Jahr für die Halbleiterindustrie werde. Man werde aber alles tun, um vor Zinsen und Steuern einen Gewinn zu erwirtschaften. Trotzdem würden Aktivitäten nicht vorschnell eingestellt. "Es ist leicht, etwas zu zerstören, aber schwer, etwas aufzubauen."</P>

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