Infineon schließt Produktion in München: 1000 Stellen betroffen

- München - Der Halbleiterhersteller Infineon schließt sein Werk in München-Perlach. Innerhalb von zwei Jahren soll die Produktion eingestellt werden. Der Grund dafür seien nicht Sparmaßnahmen, sondern strukturelle Probleme, hieß es. Es sind 800 Arbeitsplätze bei Infineon betroffen. Dazu kämen 200 Stellen bei Zuliefer-Unternehmen, wie der Betriebsrat mitteilte. Mit betriebsbedingten Kündigungen ist zu rechnen.

<P>Vor einem Jahr demonstrierten Beschäftigte des Perlacher Werks anlässlich der Infineon-Hauptversammlung für den Erhalt des Standorts. Der damalige Vorstandsvorsitzende Ulrich Schumacher musste aber einräumen: "Wir haben dort kein Konzept. Eine Entwarnung, eine Garantie für den Bestand kann ich nicht geben." Vor einem Monat gab es die erste schlechte Nachricht: Infineon stellte an mehreren Standorten seine Glasfaser-Aktivitäten ein. Für Perlach bedeutete das den Verlust von 50 Stellen. Nun ist klar: Auch alle 800 verbliebenen Arbeitsplätze werden bis Anfang 2007 abgebaut.<BR><BR>"Perlach steht vor strukturellen Problemen", erklärte Reinhard Ploss, Leiter des Bereichs Automobil- und Industrieelektronik bei Infineon. Einen großen Teil der Produktion machen so genannte Hochfrequenz-Bauelemente aus. Diese steuern etwa in Mobiltelefonen das Senden und Empfangen und leiten die Daten an Chips weiter. Inzwischen haben sich die Chips so weiterentwickelt, dass sie die Aufgaben der Hochfrequenz-Bauelemente übernehmen. Damit wird deren Produktion überflüssig. "Wir haben nach anderen Nutzungsmöglichkeiten für das Werk gesucht, aber keine gefunden", bekannte Ploss.<BR><BR>Hinzu kommt, dass Perlach vor etwa 20 Jahren als Forschungsstandort gegründet worden und das älteste Werk im Konzern ist. Entsprechend sind die Kapazitäten gering, die Ausstattung überholt und das Werk unrentabel. Die Teile der Produktion, die fortgeführt werden sollen, verlagert Infineon deshalb nach Regensburg und ins österreichische Villach. Die Schließung soll für die Mitarbeiter "so sozialverträglich wie möglich geschehen", teilte Infineon mit. Man werde versuchen, Beschäftigte in anderen Konzernteilen unterzubringen. "Die Chancen, woanders unterzukommen, sind derzeit minimal", schränkt aber der Betriebsratsvorsitzende Jakob Hauser ein. Die Verlagerung bringe den Standorten Regensburg und Villach nur geringe zusätzliche Beschäftigung, erklärt auch Infineon-Manager Ploss. "Wir gehen davon aus, dass es betriebsbedingte Kündigungen geben wird." Die Gespräche mit dem Betriebsrat haben gestern begonnen. Ploss kündigte einen Sozialplan an.<BR><BR>Einen Zusammenhang zu zusätzlichen Einsparungen in Höhe von 200 Millionen Euro, die Infineon-Vorstandschef Wolfgang Ziebart für heuer angekündigt hatte, wollte das Unternehmen nicht herstellen. Es handele sich nicht in erster Linie um ein Kostenproblem. "Wenn wir die Chance gehabt hätten, den Standort mit Maßnahmen wie Mehrarbeit zu retten, hätten wir das sicher gemacht", sagte Ploss. Durch die Werksschließung wird sich die Zahl der Infineon-Mitarbeiter in München voraussichtlich auf etwa 5200 reduzieren.<BR><BR>Das Werksgelände gehört Siemens und wurde von Infineon gemietet. Nach Angaben eines Siemens-Sprechers werde der Konzern die Gebäude künftig selbst nutzen, möglicherweise als Büros.</P>

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