Infineon sehnt sich nach Gewinn

- München - ­ Wolfgang Ziebart ist der Sisyphus unter Deutschlands Managern. Seit er die Führung des Münchner Halbleiterkonzerns übernommen hat, rackert er für dessen Sanierung. Doch immer, wenn er seinem Ziel nahe zu kommen scheint, ereilt ihn ein Rückschlag. Dennoch hat Ziebart die Hoffnung nicht aufgegeben: Im nächsten Jahr soll die Leidenszeit endlich vorbei sein.

Seit 2001 hat Infineon nur einmal Gewinn vermelden können. Das war 2004, als Ziebart seinen Dienst antrat. Damals war der stark schwankende Halbleitermarkt auf einem Hoch. Seitdem kämpft Ziebart bei Infineon gegen die Widrigkeiten des Marktes, Altlasten aus der Zeit seines Vorgängers Ulrich Schumacher und diverse Überraschungseinschläge, die zusätzlich den Konzern treffen. Zuletzt war das die BenQ-Pleite.

So musste Ziebart wieder Verluste verkünden, als er gestern die Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr (Ende zum 30. September) zog. 268 Millionen Euro betrug das Minus. Damit steht der Konzern zwar besser da als im Jahr zuvor, als das Defizit bei 312 Millionen Euro lag. Allerdings ist das in erster Linie auf den Geschäftsteil zurückzuführen, von dem sich Infineon trennen will: die als Qimonda ausgegliederten Speicherchip-Aktivitäten. Auch das Wachstum von 16 Prozent auf einen Umsatz von 7,93 Milliarden Euro hat Infineon vor allem Qimonda zu verdanken. Trotzdem belastete die Abspaltung den Konzern. Der Qimonda-Börsengang im Sommer drückte mit 65 Millionen Euro aufs Ergebnis. In einer damals sehrschwachen Börsenphase musste Infineon die Aktien unter dem Wert verkaufen, zu dem sie in den eigenen Büchern geführt wurden.

Noch schwerer wog die BenQ-Pleite. Es ist noch nicht lange her, da wäre das Ende des einstigen Siemens-Handygeschäfts für große Teile von Infineon existenzgefährdend gewesen. Siemens war ursprünglich der mit Abstand wichtigste Kunde für die Infineon-Sparte, die Elektronikchips für Mobiltelefone produziert. Als das Geschäft bei Siemens immer schlechter lief, sah sich Infineon nach anderen Abnehmern um. Unter anderem wurden LG Electronics, Panasonic und Samsung als Kunden gewonnen. Allerdings gleichen die den Ausfall von BenQ nicht aus. Mit 76 Millionen Euro gibt Infineon die Belastung aus dem Fall BenQ an.

Von solchen Sondereffekten und unerwarteten Belastungen hat man auch im Vorstand des Konzerns die Nase voll. "Die letzten beiden Jahre waren geprägt durch die Restrukturierung unseres Unternehmens", sagte Ziebart. Diese Phase werde im nächsten Jahr weitgehend abgeschlossen sein. Bis Ende 2007 soll der Konzern gewinnbringend arbeiten. Und ab 2008 oder 2009 soll Infineon jedes Jahr um mindestens zehn Prozent wachsen. Außerdem soll der Gewinn vor Zinsen und Steuern mindestens ein Zehntel so groß sein wie der Umsatz. Dafür sind allerdings zunächst Anstrengungen nötig, kündigte Ziebart an. Infineon soll schlanker und flinker werden. Die Struktur werde überprüft. Am Ende sollen 50 Millionen Euro eingespart werden. Das könnte auch zu Stellenabbbau führen. "Es ist nicht auszuschließen, dass fallweise auch Mitarbeiter betroffen sind", erklärte Finanzvorstand Peter Fischl.

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