Infineon sieht kein Ende der Krise

- München - Der Chipkonzern Infineon hat das laufende Geschäftsjahr nach Quartalsverlusten, deren Ende nicht absehbar ist, weitgehend abgehakt. Weitere Sanierungsschritte werden folgen. Neue Verlagerungen oder Stellenstreichungen stehen im Raum.

<P>Beim Münchner Chipkonzern Infineon stehen nach einem unerwartet deutlichen Sturz in die Verlustzone neue Sanierungsschritte an. "Wir sind nicht am Ende mit der Restrukturierung", warnte Konzernchef Wolfgang Ziebart. Angesichts der Lage werde man binnen drei bis vier Monaten weitere "Maßnahmen definieren". Das könne "Verlagerung oder sonstige Dinge" bedeuten. Mögliche Folgen für das heimische Personal ließ der Konzernchef offen. <BR><BR>Erst vor kurzem hatte Infineon das Aus für die Chipfertigung am Stammsitz in München bis 2007 verkündet. Allein das kostet 700 Stellen. Geschlossen werden auch Werke in Berlin und den USA, was 350 Arbeitsplätze vernichtet. Die damit verbundenen Kosten waren für die Verluste im zweiten Quartal 2004/05 mitverantwortlich. Nicht zuletzt deshalb ist das Defizit von 114 Millionen Euro nach Steuern zwischen Januar und März dreimal so hoch ausgefallen wie von Experten erwartet. Im Vorquartal hatte sich Infineon vor allem durch den Verkauf einer Tochter noch mit 142 Millionen Euro in die Gewinnzone gerettet.<BR><BR>Das laufende dritte Quartal werde weitere Verluste bringen, stellte Finanzchef Peter Fischl klar. Zumindest operativ ohne Sanierungskosten plane Infineon im Gesamtjahr aber weiter schwarze Zahlen, betonte Ziebart. Diese Ziel sei aber nun deutlich schwerer zu erreichen als noch vor einem halben Jahr gedacht. Es gelte, Verlustbringer auszumerzen und sich auf ausgewählte Chipsegmente zu konzentrieren. Infineon stehe in einer "schwierigen Übergangsphase", gestand Ziebart.<BR><BR>Die auf den Weg gebrachten Elemente der Sanierung haben im zweiten Quartal 2004/05 allerdings erst einmal 74 Millionen Euro gekostet. Bereinigt um Verkaufserlöse für zuletzt abgestoßene Geschäftsteile hat die Sanierung bislang wohl über 100 Millionen Euro gekostet. Dazu kommen weitere Gelder für die Schließung des Münchner Werks. Die Modalitäten dafür werden derzeit mit Betriebsräten verhandelt. Die haben die Radikalkur zuletzt als verfehlte Unternehmenspolitik und Folge unterlassener Investitionen in den Standort gegeißelt. In Asien baue Infineon moderne Werke auf, während hierzulande 1000 Stellen gestrichen würden.<BR><BR>Im zweiten Quartal 2004/05 sorgten indessen nicht nur Sanierungskosten, sondern auch die operativen Geschäfte in Form rückläufiger Umsätze für Verluste. Gegenüber dem Vorquartal sanken die Erlöse um zwölf Prozent auf noch 1,6 Milliarden Euro. Daran schuld sei vor allem unerwartet stark sinkende Nachfrage nach Chips für Mobiltelefone und zunehmender Preisdruck bei Speicherchips, sagte Ziebart. Binnen eines Jahres haben sich die Preise halbiert. <BR><BR>Zur Hälfte des Geschäftsjahrs wuchsen die Konzernumsätze damit nur noch um vier Prozent auf 3,4 Milliarden Euro. Nach der Misere im zweiten Quartal brach der Halbjahresüberschuss um zwei Drittel auf 28 Millionen Euro ein. Da ist es wenig tröstlich, dass sich Infineon mit seinen weltweit 36 000 Mitarbeitern von Rang sieben auf Rang vier der global führenden Halbleiterkonzerne verbessert hat. <BR><BR>Die neue Krise ließ die Infineon-Aktie um zeitweise vier Prozent auf unter 6,80 Euro einbrechen. Die Aussichten seien entmutigend, fasste ein Börsianer die Stimmung zusammen. "Man hat sich fast daran gewöhnt, dass es nicht mehr besser wird."</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Trump: Steuern senken und Firmenumzüge nach Mexiko bestrafen
Der neue US-Präsident stellt den Freihandel in Nordamerika in Frage und will Importe aus Mexiko mit Strafzöllen belegen. Das Nachbarland legt sich schon einmal seine …
Trump: Steuern senken und Firmenumzüge nach Mexiko bestrafen
Kältewelle verdeutlicht Frankreichs Atom-Abhängigkeit
Materialsorgen und Finanznöte: Frankreichs Atombranche erlebt schwere Zeiten. Die Atomaufsicht nennt die Lage "besorgniserregend". Und vor der Präsidentschaftswahl ist …
Kältewelle verdeutlicht Frankreichs Atom-Abhängigkeit
McDonald's schwächelt wieder im US-Heimatmarkt
Mit ganztägigem Frühstück und neuen Angeboten hatte es für kurze Zeit so ausgesehen, als ob McDonald's den kriselnden US-Heimatmarkt rasch zurückerobern könnte. Doch der …
McDonald's schwächelt wieder im US-Heimatmarkt
Samsung führt Note 7-Brände auf Batterie-Probleme zurück
Samsung hat sich viel Zeit genommen, um die Probleme bei seinem feuergefährdeten Vorzeige-Modell Galaxy Note 7 zu untersuchen. Der Smartphone-Marktführer will verlorenes …
Samsung führt Note 7-Brände auf Batterie-Probleme zurück

Kommentare