Infineon zerfällt in zwei Teile

- München - Infineon zerschlägt den eigenen Konzern. Das Geschäft mit Speicherchips soll an die Börse gebracht oder anderweitig abgegeben werden. Neuen Stellenabbau soll es deswegen nicht geben.

Der Münchner Chipkonzern Infineon will sich in zwei Teile spalten. Dazu wird der vom Umsatz her dominierende Geschäftsbereich Speicherchips zum 1. Juli 2006 in eine eigene Gesellschaft mit Sitz ebenfalls in München ausgegliedert und danach möglichst an die Börse gebracht. Das teilte das Management um Konzernchef Wolfgang Ziebart nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Der Mutterkonzern will die eventuellen Erlöse aus einem Börsengang in eine Konzentration auf spezielle Logikchips investieren. "Sowohl der Speicher- als auch der Logikbereich gewinnen mit der strategischen Neuausrichtung den Aktionsspielraum, um ihre Marktführerschaft in ausgewählten Segmenten zu festigen und auszubauen", begründete Ziebart den weitreichenden Beschluss, dem der Aufsichtsrat zugestimmt hat.

Ob es im Gremium Vorbehalte gegeben hat, wollte ein Konzernsprecher nicht sagen. Das ist zu vermuten, da Belegschaft und Gewerkschaft schon im Vorfeld eine Zerschlagung von Infineon kritisiert haben. Wann das vom Infineon-Vorstand Loh Kin Wah geführte Speichergeschäft an die Börse gehen könnte, will Infineon derzeit nicht abschätzen. Dieses sei auch nur die bevorzugte Form der Trennung, betonte ein Konzernsprecher. Verkauf oder Fusion mit einem Konkurrenten seien alternativ nicht grundsätzlich vom Tisch.

An der Börse wurden die Pläne zunächst mit Euphorie aufgenommen. Der Aktienkurs von Infineon stieg um mehrere Prozent, um dann aber immer mehr ins Minus zu rutschen. Analysten finden eine Trennung vom Speichergeschäft zwar gut, sind aber skeptisch, ob das per Börsengang klappt. "Erst mal hinbekommen", meinte ein Börsianer. Das riskante Speichergeschäft sei Anlegern nur schwer zu vermitteln. Anders als spezialisierte Logikbausteine ist es traditionell enorm schwankungsanfällig. Es hat Infineon schon Milliardengewinne, zuletzt aber auch Verluste in dieser Dimension beschert. Seit 2000 hat der Konzern damit unter dem Strich gerade 50 Millionen Euro verdient.

Andererseits trugen Speicherchips zuletzt 40 Prozent der gesamten Konzernumsätze von gut sieben Milliarden Euro. Bei einer Abspaltung würde der Konzern an Bedeutung verlieren und zum Übernahmekandidaten werden, warnen dagegen Kritiker aus den Reihen der IG Metall.

Negative Folgen für das Personal bringt die Zweiteilung des Konzerns angeblich nicht, betonte ein Konzernsprecher.

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