Infineon-Chef Schumacher muss gehen

- München - Schnell zu sein hat Ulrich Schumacher schon immer viel bedeutet. Das Karriere-Ende des Infineon-Chefs und Hobby-Rennfahrers ist nun abrupt gekommen wie der Aufschlag eines Formel-1-Boliden im Reifenstapel. Völlig überraschend gab der Münchner Halbleiter-Produzent bekannt, dass sein 45-jähriger Vorstandsvorsitzender den Posten aufgegeben habe. Der Aufsichtsrat legte ihm nach massivem Streit über die Strategie des Unternehmens den Rücktritt nahe, berichteten Unternehmenskreise. Die Infineon-Aktie brach nach Bekanntwerden der Meldung ein.

<P>Das Unternehmen teilte zum Abgang seines Vorstandschefs genau drei Sätze mit: Schumacher habe sein Amt mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Der Aufsichtsrat habe dieser Niederlegung zugestimmt. Der Aufsichtsratsvorsitzende Max Dietrich Kley sei als Chef des Unternehmens eingesetzt worden - "vorübergehend, längstens aber für ein Jahr". Man werde sich weder über Gründe noch zu Details äußern, erklärte ein Infineon-Sprecher.<BR><BR>"Es gibt immer zwei Möglichkeiten bei einem Rücktritt ohne Erklärung: Einen Streit, der meist eine finanzielle Ursache hat, oder der Rücktritt erfolgt freundschaftlich", sagte ein Analyst vom Münchner Bankhaus Merck Finck & Co. Im Fall Schumacher sieht es nach der ersten Variante aus.<BR><BR>Die IG Metall teilte mit, dass es gestern während "einer kurzfristig anberaumten Sondersitzung" des Aufsichtsrats zu einer "Generalabrechnung über die Strategie des Unternehmens" gekommen sei. "Ein wesentlicher Punkt dabei war offenbar der von vielen als selbstherrlich kritisierte Führungsstil Schumachers." Die Gewerkschaft nennt die von ihr seit jeher kritisierten Spar-Maßnahmen als entscheidende Reiz-Punkte. </P><P>Dazu zählen Pläne, den Firmensitz aus steuerlichen Gründen in die Schweiz zu verlagern, rigorose Kündigungen von Beschäftigten in der Probezeit und Verlagerungen von Unternehmensteilen, die die erhofften Kostensenkungen nicht gebracht hätten. Doch waren offenbar nicht nur die Arbeitnehmer-Vertreter mit Schumacher unzufrieden. Aus Unternehmenskreisen erfuhr unsere Zeitung, dass die Entscheidung des Aufsichtsrats gegen Schumacher einstimmig gefallen sei. Derzeit werde "mit Hochdruck" ein Nachfolger gesucht. Dabei gelte eine interne Lösung - also das Aufrücken eines anderen Vorstandsmitglieds auf den Chefsessel - als unwahrscheinlich.<BR><BR>Die Infineon-Aktie war gestern das meistgehandelte Papier im Dax. Der Kurs verlor nach Bekanntwerden der Meldung gegenüber seinem Tageshoch 6,7 Prozent. Zum Xetra-Schluss notierte die Aktie mit einem Minus von 1,17 Prozent bei 11,02 Euro.</P>

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