Inflation in Deutschland erstmals 2008 über drei Prozent

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Wiesbaden (dpa) - Steigende Energie- und Lebensmittelpreise haben die Inflation in Deutschland im März erstmals wieder über die Drei-Prozent-Marke getrieben. Die Jahresteuerungsrate kletterte auf 3,1 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden auf Basis der Daten aus sechs Bundesländern mit.

Im Januar und Februar hatte die Rate noch bei jeweils 2,8 Prozent gelegen. Der höchste Anstieg seit 1994 war im November 2007 mit 3,2 Prozent ermittelt worden. Im Vergleich zum Vormonat ergab sich im März ein Plus von 0,5 Prozent.

Die Teuerung liegt damit deutlich über dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von knapp unter zwei Prozent. Nach Ansicht von Volkswirten bremst die hohe Inflation die Kauflust der Verbraucher und wird die lang erhoffte Belebung des privaten Verbrauchs verhindern. "Die Erholung des Konsums wird angesichts dieser Belastung nur verhalten ausfallen", schrieben die Volkswirte der Commerzbank. Die Teuerung sei im März stärker als erwartet ausgefallen.

Der aktuelle Preisdruck in der ganzen Eurozone sei besorgniserregend, sagte der Präsident der Deutschen Bundesbank, Axel Weber, am Freitag bei einer Konferenz in Luxemburg. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte zuvor schon klargemacht, dass in diesem Jahr die Zwei-Prozent-Marke im Euro-Raum verfehlt werde.

Laut Statistiker waren die wesentlichen Preistreiber Nahrungsmittel und Getränke sowie Mineralölerzeugnisse. Die Preise für Lebensmittel stiegen im März in den sechs Bundesländern zwischen 7,3 und 9,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Heizöl verteuerte sich bis zu 44 Prozent, Benzin und Diesel bis zu 14,4 Prozent. Nahezu stabil blieben dagegen die Preise für Strom und Gas. Saisonbedingt stiegen im März die Preise für Pauschalreisen gegenüber dem Vormonat plus 0,8 Prozent und dem Vorjahresmonat um 4,8 Prozent. Grund dafür waren laut Statistik die frühen Ostertermine in diesem Jahr - 2007 lagen die Osterfeiertage im April.

In Hessen betrug die Jahresteuerungsrate im März 3,4 Prozent nach 2,9 Prozent im Februar, wie das Statistische Landesamt mitteilte. Gegenüber dem Vormonat stiegen die Verbraucherpreise um 0,5 Prozent. "Eine solch anhaltend hohe Inflation gab es zuletzt 1993, als nach der Wiedervereinigung die Teuerungsrate über vier Prozent sprang", sagte ein Statistiker in Wiesbaden. So war Heizöl hier im März fast 40 Prozent teurer als vor einem Jahr. Die Kraftstoffpreise lagen 13,4 Prozent über dem Vorjahresniveau. Ohne Heizöl und Kraftstoffe gerechnet lag die Teuerung nur bei 2,6 Prozent.

In Bayern lag die Inflationsrate bei 3,2 Prozent nach 2,9 Prozent im Februar, wie das Bayerische Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung mitteilte. Während die Heizölpreise um gut 44 Prozent über dem Vorjahresniveau lagen, verteuerten sich Nahrungsmittel um 8,5 Prozent. Im Vergleich zum Februar legten die Verbraucherpreise im März im Freistaat um 0,5 Prozent zu. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen kletterte die Teuerungsrate auf 3,2 (Vormonat: 3,0) Prozent. Binnen Monatsfrist legten die Verbraucherpreise dort um 0,6 Prozent zu.

Das Land Brandenburg meldete eine Jahresrate von 3,0 Prozent, im Vergleich zum März bedeutete dies ein Plus von 0,4 Prozent. Sachsen meldete eine Jahresrate von 3,1 Prozent nach 2,8 Prozent im Februar. Im direkten Monatsvergleich legten die Preise hier sogar um 0,6 Prozent zu.

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